Anthony Timpone ist seit fast achtzehn Jahren der Mann hinter dem Magazin Fangoria. Er ist ebenso einer der Organisatoren und Gastgeber der bekannten Fangoria Weekend of Horrors. Michael Cucinotta nutzte die Gelegenheit, sich dort mit ihm zu treffen und ein exclusives Interview über seine Vergangenheit mit Fangoria und die in Zukunft bevorstehenden Projekte der Fangoria-Crew zu führen. Besuchen Sie Tony und sein Team doch mal bei
Fangoria.com.
Michael Cucinotta (MC): Was sind Deine ersten Erinnerungen an das Horrorgenre?

Anthony Timpone (AT): Bereits als Kind wurde ich zu einem Fan des Genres. Ich sah die Monsterfilme von Universal und der Hammer Studios und besuchte regelmäßig die Autokinos, um die Filme der 70er und späten 60er Jahre anzusehen. Schon immer liebte ich Horror- und Science Fiction-Fantasien. Ich verschlang in jungen Jahren Comics und hatte eine Leidenschaft für Famous Monsters of Filmland. Als ich die High School besuchte, veröffentlichte ich meine eigenen Fanzines und trat dem Science Fiction-Club bei. Ich besuchte Conventions und traf dort Leute wie Tom Savini, versuchte Interviews zu ergattern und diese dann an Famous Monsters oder Fangoria oder andere Publikationen dieser Art zu verkaufen. Es war mein Traum, eines Tage an einem Horror-Magazin arbeiten zu dürfen. Als ich das College verliess, war dies gleich mein erster Job... und das ist es auch heute noch. Ich mag es noch immer, morgens zur Arbeit gehen zu dürfen, weil dies genau das ist, was ich schon immer machen wollte. Ein Horror-Magazin herauszubringen, an Horror-Projekten, Filmen und Videos beteiligt zu sein... Das macht alles wahnsinnig viel Spaß und ist sehr spannend.
MC: Wie bist Du zu Fangoria gekommen und konntest Dir dort den Posten des Herausgebers sichern?
AT: Nun, ich arbeitete meistens als Organisator von Conventions. Und ich denke, daß jeder, der im Business Fuß fassen möchte oder selbst schreibt, genau dies macht... diese Conventions zu besuchen. Die Horror-Persönlichkeiten dort sind sehr zugänglich. Es sind alles nette Menschen. Sie lieben es, ihre Fans zu treffen. Und es ist ein guter Ort, um Kontakte zu knüpfen. Viele Make-up-Spezialisten begannen hier ihre Karrieren. Sie bringen ihre Portfolios mit und zeigen sie dort. Filmemacher präsentieren ihre Kurzfilme. Fangoria Conventions sind wirklich ein Ort, um Personen zu treffen, die Deine Karriere ankurbeln können.
MC: Kannst Du uns etwas über Deine ersten Erfahrungen mit Fangoria berichten?
AT: Während meiner College-Zeit verfasste ich nebenher Artikel für Starlog, ein Science Fiction Magazin, weil Fangoria zu dieser Zeit quasi alles noch «im eigenen Haus» erledigte. Das bedeutet, die Redaktion schrieb selbst sämtliche Artikel, was zu dieser Zeit wirklich beispiellos war. Es war sehr schwierig, bei Fangoria Fuß zu fassen, da die Herausgeber Bob Martin und Dave Everett, aus welchen Gründen auch immer, selbst alle Artikel zu Papier brachten. Jeder von ihnen schrieb vier komplette Artikel... pro Ausgabe! Ich besuchte die Science Fiction-Börsen und Creation-Conventions und traf dort eine Vielzahl der Star Trek- und Star Wars-Beteiligten, die mir immer sehr behilflich waren. Ich führte Interviews mit diesen Science Fiction-Machern und verkaufte sie an Starlog, das Science Fiction-Magazin dieser Tage. Später begegnete ich einigen der Horror-Macher, wie Tom Savini und Caroline Munro. Diese Artikel konnte ich an ein Magazin mit dem Titel Monsterland verkaufen. Fangoria benötigte sie nicht, so ging ich zur Konkurrenz Monsterland, das von Forrest J Ackerman herausgegeben wurde, der eine Art Mentor für mich war. Ich begann, am Ende meiner College-Zeit wirklich eine Menge für Monsterland zu schreiben, und als ich es dann verliess, traf ich den Herausgeber der Starlog auf einer Convention und erzählte ihm, daß ich die Schule verlassen hatte und fragte ihn auch gleich, ob er einen Job für mich hätte. Einen Monat später rief er meine Frau an, während ich beim Feinkostladen meines Vaters arbeitete, und lud mich für ein Gespräch ein. Ich fuhr los und bekam den Job.

Ich begann als Redaktionsassistent und arbeitete an Starlog und einigen Wrestling-Magazinen, die wir zu dieser Zeit herausgaben. Das war natürlich alle andere als aufregend, doch immerhin hatte ich nun einen Fuß in der Tür. Nach einiger Zeit entschloss sich Bob Martin, der ja auch Mitherausgeber der Fangoria war, das Haus zu verlassen und bei einem Rock-Magazin zu arbeiten. Dave Everett hatte nun keine Hilfe mehr bei Fangoria. Bob Martins Schreibtisch stand verlassen dort und wie es das Schicksal wollte, gehörte schon bald mir dieser Schreibtisch. Der ehemalige Redaktionsassistent durfte nun Dave Everett unterstützen. Doch nach nur einem Monat verliess auch Dave Everett die Redaktion und ich hatte gerade das College hinter mir gelassen, war sozusagen noch grün hinter den Ohren. Dave McDonald, der Herausgeber von Starlog, entschied sich, für ein Jahr den Posten des Herausgebers zu übernehmen, bis ich mich bewährt hatte und zum Chefredakteur aufsteigen konnte. In nur einem Monat mit Dave Everett beförderte er mich vom Redaktionsassistenten zum Assistent Editor, zum Associate Editor und schliesslich zum Managing Editor. Ich schrieb, veröffentlichte, genoss meinen Job und war immer in Bewegung.
MC: Gibt es unter all den Veröffentlichungen, die bei Fangoria und Starlog im Lauf der Jahre erschienen sind, ein bestimmtes Projekt oder eine bestimmte Ausgabe, auf die Du ganz besonders stolz bist?
AT: Da gibt es verschiedene Ausgaben, die mir besonders am Herzen liegen. Fangoria #100 und Fangoria #200 sind meine favorisierten Ausgaben. Das Erscheinen der 200. Ausgabe hat mich sehr gefreut und ich mag auch viele der «Themen-Ausgaben», die wir herausgebracht haben. Wir hatten Ausgaben über Vampire, Werwölfe, Dinosaurier, Godzilla. Insbesondere einige der Godzilla-Ausgaben finde ich sehr gelungen, weil wir solche grossartigen Bilder abdrucken konnten... und genau die sind etwas, mit dem ich aufgewachsen bin. Ich liebe die Godzilla-Filme und habe alle auf der grossen Leinwand gesehen. Wir haben auch einige Specials gemacht. Wir machten ein Magazin über Dracula, als Francis Ford Coppolas Dracula-Film herauskam, der mir sehr zugesagt hatte. Während des Jurassic Park-Hypes machten wir ein Dinosaurier-Magazin mit einem 3D-Cover und ich war sehr stolz, auf welchem Wege es erschienen ist. Wir machten eine Lovecraft-Ausgabe. Alle diese Ausgaben haben ganz besonders Spaß gemacht.
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