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MC: In den späten 80ern / frühen 90ern gab es eine weitere Horror-Publikation mit dem Namen Gorezone. Hattest Du auch hier Deine Finger im Spiel?

AT: Yep. Das war eine Starlog-Publikation, die auch von mir herausgebracht wurde. Die Auflage von Fangoria übertraf zu dieser Zeit alles und wir realisierten, daß einige hier und dort auftauchende Plagiate sich ein Stück von dem grossen Kuchen sichern wollten. Wir dachten, wir kreieren unseren eigenen Konkurrenten, um diese Leuten davon abzuschrecken, uns die Leserschaft abzugraben. So entwarfen wir Gorezone, unsere Konkurrenz im eigenen Hause. Und es hat geklappt. Es gab einige wenige Plagiate, die entweder nicht erschienen sind oder bereits nach ein oder zwei Ausgaben eingestellt wurden, doch Gorezone überstand mehrere Jahre. Ich denke, es waren insgesamt 22 Ausgaben oder so. Gorezone hat wirklich viel Spaß gemacht. Wir haben hier eine Menge an Sachen hineingepackt, die für Fangoria nicht direkt in Frage kamen, wie beispielsweise Kurzgeschichten. Wir hatten eine Make-up-Kolumne, und berichteten viel über Independent-Filmemacher und ausländische Filmproduktionen. Es gab mehr Filmbesprechungen. Es hat uns viel Freude bereitet, doch nun haben wir viele dieser Themenbereiche in Fangoria und unsere Webseite hineingepackt. Gorezone lebt also auf eine andere Art weiter. Wir starten auch ein Gorezone-Videolabel, um mehr Independent-Horrorstreifen zu veröffentlichen - so wird zumindest der Name weiterbestehen.

Einige Gorezone-Ausgaben

MC: In dem Magazin werden Filme noch während der Produktionsphase vorgestellt. Gibt es Projekte, die Deine Erwartungen nach der Veröffentlichung noch übertroffen haben?

AT: Ich möchte sagen, dazu gehören die beiden im letzten Jahr herausgekommenen Remakes. Bei Dawn of the Dead und Texas Chainsaw Massacre hatte ich geringe Erwartungen, weil ich der Meinung war, diese könnten unmöglich an die Originale heranreichen oder sie womöglich toppen. Doch obwohl sie nicht so gut wie die Originale waren, konnten sie bestehen und waren auf ihre eigene Art sehr effektiv. Weisst Du, sie sind viel besser, als ich ahnen konnte und sie haben eine großartige Leistung vollbracht, diese Filme neu zu beleben. Sie haben hier nicht sklavisch versucht, die Magie der Originale einfach nur zu kopieren, sondern sie haben versucht, etwas Neues zu erschaffen, was ich sehr respektiere. 28 Days Later war besser als ich gedacht hätte. Ich wusste, er würde gut werden, doch er wurde sogar noch besser; ich habe mich zu Tode gefürchtet! Der Film hat mir einen Schlag in den Magengegend verpasst.

MC: Wo wir gerade bei Zombies sind... schnelle oder eher langsame Zombies?

AT: Ich glaube, die schnellen sind unheimlicher. Ich liebe den ersten Dawn of the Dead & Night of the Living Dead, aber es gab andere soziale Äusserungen in diesen Filmen. Das gibt es auch in 28 Days Later, doch die schnellen Zombies haben den Angst-Faktor noch ein wenig in die Höhe geschraubt. Ich denke, sie sind unheimlicher, wenn sie schneller sind.

Leatherface

MC: In den 80ern hast Du einen Kreuzzug begonnen, um Horrorfilme zu verteidigen. Was denkst Du über den aktuellen Status der Horrorfilme und wie die Menschen diese heute sehen?

AT: Nun, zu der Zeit gewann das Medium Video gerade an Popularität. Da gab es diese Gruppen besorgter Mütter und PTA-Gruppen («Parent-Teacher-Association», also Vereinigungen von Lehrern und Eltern), die immer Horrorfilme und andere brutale Streifen angriffen. Diese ganze Generation der beteiligten Eltern benutzte Horrorfilme als einen Sündenbock. So wurde ich herbeigerufen, um das Genre und das Magazin zu verteidigen. Wir wurden von von den Zeitschriftenkiosks verbannt. Es gab immer eine Menge Ärger. Damals sagte ich bereits «Jetzt greift Ihr Horrorfilme an, doch was kommt als nächstes? Kommt dann das Fernsehen und andere Filme an die Reihe?», etc. etc. Und genau das ist passiert. Nachdem sie das Horrorgenre attackierten, griffen sie NYPD Blue an, starteten Bewertungen und Einstufungen von Tonträgern und Fernseh-Sendungen, der ganze Ärger mit der MPAA. Es war wirklich ein Schlamassel. Es wurde schlimmer und schlimmer und diese Zensurmassnahmen wurden niemals endgültig eingestellt. Wir beobachten zur Zeit viele Tendenzen in dieser Richtung. Doch Horrorfilme sind nicht mehr so sehr im Visier der Zensur wie früher. Die MPAA war in den letzten Jahren fast der beste Freund des Horrors. Wenn Du siehst, womit Texas Chainsaw Massacre und Dawn of the Dead davongekommen sind, ist es wirklich unglaublich.

MC: Denkst Du, die MPAA ist in den vergangenen Jahren etwas nachsichtiger geworden?

AT: Absolut. Sieh Dir nur Kill Bill und, wie bereits erwähnt, Dawn of the Dead an. Das ist erstaunlich. Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Filme 1990 ein R-Rating bekommen hätten. Denk nur an Leatherface: Texas Chainsaw Massacre 3 zurück. Dieser Film wurde durch die Einschränkungen der MPAA regelrecht auseinandergenommen.

MC: In einem der jüngst erschienenen Editorials erwähnst Du, dass Du Dich wieder nach mehr Filmen basierend auf bislang nicht adaptierten Büchern sehnst, statt all dieser aktuellen Neuverfilmungen. Kannst Du uns einige Bücher nennen, die Du gerne einmal auf der Leinwand erleben würdest?

AT: Da gibt es viele Lovecraft-Geschichten, die bislang noch nicht adaptiert wurden. Guillermo Del Toro möchte At the Mountains of Madness umsetzen, was ich für eine wundervolle Idee halte. Da sind noch mehr Bücher, die gute Filme geben würden, wie The Light at the End (von John Skipp und Craig Spector). Sie waren die Splatterpunks der 80er Jahre. Sie machten auch ein Werwolf-Buch mit dem Titel Animals, an das ich mich sehr gut erinnern kann. Aus diesem Grund denke ich, daß es mehrere gute Bücher der 80er Jahre im Splatterpunk-Stil gibt, deren Leinwandumsetzung bestimmt cool wäre. Einiges von Clive Barker wurde noch nicht verfilmt, wie Weaveworld. Christopher Fowler, Kim Newman. Sie haben interessante Geschichten geschrieben, die gute Filme geben würden.

Men, Makeup and MonstersMC: Du hast ein Buch mit dem Titel Men, Makeup and Monsters geschrieben und die Veröffentlichung mehrerer anderer Bücher unterstützt. Was hat Dich dazu bewegt, das Buch zu verfassen und an den anderen mitzuarbeiten?

AT: Ein Agent, der mich vertreten wollte, fragte mich nach neuen Ideen für Bücher. Es war das erste mal, daß ich überhaupt daran dachte. Besonders in den ersten Tagen war Fangoria die Bibel der Makeup-Effekt-Industrie, als jedes Kind nach Hollywood gehen wollte, und dort mit Makeup oder Latex arbeiten wollte. Durch CGI ist das mittlerweile weniger geworden. So viele Leute sind zu Fangoria gekommen, nur um die Profile von Rick Baker, Rob Bottin und Tom Savini zu lesen. Sie waren die Götter unserer Leserschaft in den 80er Jahren, daher war ich der Meinung, ein Buch über diese Makeup-Gurus, die viele Fans inspiriert haben, sei eine gute Idee. Wir stellten 12 oder 13 der Top-Künstler jener Zeit vor. Ich habe das Buch gemacht, aber es war eine Menge Arbeit, ein Buch zu verfassen und parallel Fangoria herauszubringen. Als Vorschläge für weitere Bücher kamen, entschied ich mich, hier nur noch als Herausgeber mitzuwirken. Seitdem habe ich selbst keine Bücher mehr geschrieben, aber vier andere unter dem Fangoria-Banner veröffentlicht.

Mein Mad Mags