Er war Herausgeber des exzellenten Fanzines Dark Palace und hat eine Menge für das Phantastische Genre in Deutschland geleistet. Mittlerweile schreibt er Bücher und Romane über und zu TV-Serien. Seit einiger Zeit ist er auch noch als Drehbuchautor fürs Fernsehen tätig. Es folgt ein umfangreiches und mehr als interessantes Interview, geführt 2003 von Harald Dolezal.
Harald Dolezal (HD): Wie hat denn alles bei Dir angefangen? Wie wurde Dein Interesse am phantastischen Genre geweckt?
Torsten Dewi (TD): Für so etwas muss es ein Gen geben. Denn ich war schon immer von diesem Genre fasziniert. In den Jugendvorstellungen während der Sommerferien bin ich in die Stadt (Düsseldorf) geradelt, um mir Monster des Grauens greifen an, Batman hält die Welt in Atem und ähnliche «Klassiker» anzusehen. Dabei war ich ein echter Schisser - wenn im ZDF Der Phantastische Film lief, musste ich während des psychedelischen Vorspanns immer wegschalten, und bei Bela Lugosi in Dracula habe ich mich an meinem Kommunionskreuz festgehalten.
HD: War Dark Palace Dein erstes Fanzine? Wie kam es dazu?
TD: Vor Dark Palace kannte ich die (ebenfalls teilweise aus Düsseldorf stammenden) Jungs von Evil Ed. Und dann machte ich irgendwann ein paar Artikel für Doc Cyclops. Die standen aber ausschließlich und sehr beschränkt auf Splatter, ungeachtet der jeweiligen filmischen Qualitäten. Nach Sätzen wie «Weil der Film kein Gore enthält, kann ich ihn leider nicht empfehlen» platzte mir die viel gerühmte Hutschnur, und ich machte mit Markus Metzler zusammen ein eigenes Magazin - eben Dark Palace. Das war für Horror-Fans sicher ein wenig soft, aber es ging uns mehr darum, immer besser zu werden, professioneller. Ich denke, wir haben uns auch von Ausgabe zu Ausgabe gesteigert. Gedruckt hat das Heft übrigens unser Schul-Drucker Herr Lethen, der schlichtweg nicht wusste, dass Markus und ich schon seit zwei Jahren nicht mehr auf der Schule waren! Für 100 DM bekamen wir dadurch 100 professionell gedruckte und geheftete Ausgaben, was wirklich klasse war.
HD: Erzähl uns etwas über Dark Palace - zum Beispiel zu den Erfahrungen mit Autoren und Lesern und das Verfassen von Deinen Artikeln.
TD: Darüber könnte ich Bücher schreiben. Wir haben viele interessante Leute kennen gelernt - zu manchen halte ich heute noch Kontakt. Natürlich gab es Leser, die es härter wollten - die haben wir dann an Evil Ed verwiesen. Durch den Palace sind wir auch zu unseren ersten Festivals gekommen, haben die ersten Presse-Videos bekommen, etc. Gute Zeiten. Aber es wurde zunehmend schwerer, weil die Hardcore-Fraktion auch bei Konflikten leider gerne ausfallend wurde. Da wurde wüst beschimpft, gedroht, boykottiert. Das Fandom wurde immer weniger ein jeder für jeden, immer mehr ein alle gegen alle. Anfang der 90er gingen die reinen Fanzines dann auch langsam ein, abgelöst von semi-professionellen und professionellen Magazinen wie Splatting Image. Und mittlerweile ist eh alles Internet. Heute würde ich eine Webseite machen - der Aufwand für ein gedrucktes Magazin steht in keinem Verhältnis zum Multiplikator (also der Menge an Menschen, die man damit erreicht). Was den Stil angeht - auch für den gibt es wohl ein Gen: wenn man den Palace liest, wird man meine Stimme auch damals schon hören. Vielleicht ein bisschen ungeschliffen, aber trotzdem unverkennbar. Und im Nachhinein kann ich das «grosse Geheimnis» ja auch lüften: der böse Kommentator Black Jack war ich selbst.

HD: Warum wurde Dark Palace eingestellt?
TD: Kein großes Geheimnis - ich zog nach München, wo ich ein Praktikum bei der Fernsehzeitschrift Gong ergattert hatte. Und Markus machte seine Lehre (er ist heute Maskenbildner). Die Entfernung und die berufliche Belastung hätten eine Weiterführung zum Stress gemacht - und das war ja nicht der Sinn der Sache gewesen.
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