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Im deutschsprachigen Raum gibt es zwei Filmprogrammreihen, die sich in erster Linie an Freunde des Phantastischen Filmes wenden. Zum einen das in Nürnberg herausgegebene Phantopia-Filmprogramm, zum anderen das in Halle veröffentlichte Pegasus-Filmprogramm. Von dieser Reihe ist im Sommer dieses Jahres die fünfzigste Ausgabe zum Film Scarface erschienen. Dieses Jubiläum nahmen wir uns zum Anlass, Herausgeber Raiko Komar einige Fragen zu seiner Genre-Programmreihe zu stellen.

Christian Lorenz (CL): Filmprogramme sind hierzulande ja etwas recht Exotisches. Was hat Dich dazu bewogen, mit dem Pegasus-Filmprogramm eine eigene Programmreihe ins Leben zu rufen?

Raiko Komár (RK): Die Idee entstand damals aus eigener Sammelleidenschaft zu Filmprogrammen, welche ja seit den Anfängen des Kinos herausgebracht werden. Leider gab es auf dem Filmprogramm-Markt, abgesehen vom Filmprogramm von Uwe Wiedleroither sowie dem Projekt-Filmprogramm von Rudolf Benda, meistens nur vierseitige «Hefte», welche nur wenig Informationsgehalt boten. Der Wunsch, umfangreichere Filmprogramme sammeln zu können, wo etwas mehr als nur der Inhalt des Films enthalten ist, brachte mich dann schließlich auf die Idee, einfach selber ein etwas dickeres Filmprogramm herauszugeben. Was damals mit einem 32seitigen Gladiator begann, hat sich bis zum heutigen Tage zu beispielsweise einem 96seitigen Programm zu Die Klapperschlange weiterentwickelt.

CL: Seit wann gibt es Deinen Verlag eigentlich?

RK: Der Verlag wurde im Jahre 2000 gegründet und hat sich seitdem auf die Herausgabe von Filmprogrammen spezialisiert.

CL: Gibt es mehr «Fan-Filmprogrammreihen» oder überwiegen eher kommerzielle Reihen wie beispielsweise das Neue Filmprogramm Österreichs?

RK: Ich glaube es gibt in Deutschland nicht einen einzigen Filmprogramm-Herausgeber, der mit seinen Titeln gut verdienen kann, geschweige denn davon leben kann. Die meisten, mich eingeschlossen, machen dies nebenberuflich und mehr aus Spaß und Idealismus. Natürlich muss am Ende des Jahres eine schwarze Zahl in der Bilanz stehen, das ist ja schließlich auch die Pflicht des Unternehmers. Aber diese Zahl ist am Ende sehr klein. Und wenn ich dagegen rechne, dass ich jeden Tag nach der hauptberuflichen Arbeit mindestens drei Stunden an den Filmprogrammen arbeite, sowie eigentlich an jeden Wochenende und auch im Urlaub damit beschäftigt bin, dann kann ich schon sagen: ich mache es, weil es mir Spaß macht!

CL: Stellst Du Dir das Herausgeben eines Filmprogramms einfacher vor als bei einem Filmmagazin?

RK: Definitiv ja! Mit den Pegasus-Filmprogrammen bin ich einfach flexibler und das hilft mir bei meiner Arbeit. Ein Vorteil den ich dabei habe ist, dass ich mir die Veröffentlichungstermine der einzelnen Nummern frei auswählen kann, bei einer Zeitschrift gibt es ja ein festes periodisches Veröffentlichungsmuster (monatlich, vierteljährlich, etc.). Des Weiteren bin ich völlig frei in der Wahl des Seitenumfangs. Wenn ich viel Material zu einem bestimmten Film zusammenbekomme, gibt es halt ein dickes Filmprogramm, wenn ich wenig Text- oder Bildmaterial habe, dann wird es halt nur ein 36 Seiten-Heft. Diese «Freizügigkeiten» kann sich keine Zeitschrift erlauben.

CL: Gibt es ein Vorbild, nach dem Du Deine Programme gestaltest?

RK: Da gibt es eindeutig mehrere Vorbilder von denen ich mich inspirieren ließ. Zum einen war es das bereits erwähnte Filmprogramm von Uwe Wiedleroither. Er war der erste Herausgeber, welcher umfangreichere Programme mit über fünfzig Seiten veröffentlichte und somit etwas mehr als nur einen Kurzinhalt wiedergab. Mich persönlich hat es beim Sammeln der «klassischen» Filmprogramme immer gestört, dass ich neben den Angaben zum Stab und der Besetzung gerade mal einen Kurzinhalt und ein paar Bilder zu sehen bekommen habe. Daher war mir von Anfang an klar, dass ich beim Pegasus-Filmprogramm so viele Informationen wie nur möglich in das Heft packen wollte. Hintergrundinfos und Portraits zu den Darstellern waren mir ebenso wichtig wie der Kinostarttermin in Südkorea oder die Altersfreigabe in Singapur. Umso mehr Infos, desto besser.
 
Das Prinzip des «dicken» Filmprogramms habe ich dann noch versehen mit zusätzlichen Filmkritiken, was ich bei der Reihe Phantopia-Filmprogramm (Peter Schmidl, später Karin Stähle) eine ganz tolle Idee fand. Vom Layout habe ich mich später leicht durch die japanischen Filmprogramme beeinflussen lassen. Bei den Programmen aus Fernost konnte man klar erkennen, dass kein Heft ausschaut wie das andere. In diesem Sinne habe ich ab 2005 angefangen die Gestaltung der Programme noch einmal zu ändern. Das jetzige Layout bietet mir viel mehr Gestaltungsmöglichkeiten und wertet das Heft somit optisch noch etwas auf.

Invasion der lebenden Toten

CL: Der Anteil an «phantastischen» Filmen ist ja erstaunlich hoch. Was sind die Kriterien bei der Filmauswahl?

RK: Dass der phantastische Film «etwas» öfter vertreten ist, hat zwei Gründe: Erstens mag ich das Genre einfach und zweitens bin wohl da nicht der Einzige. Filmprogramme zu phantastischen Filmen lassen sich schlichtweg auch besser verkaufen. Ein Filmprogramm zu Brubaker hat nun mal leider nicht so eine so große Fan-Base wie ein Film wie Dawn of the Dead. Dennoch werde ich mit Sicherheit auch noch Filmprogramme aus anderen Genres herausbringen. Wichtigstes Kriterium für die Auswahl eines Titels ist jedoch immer, dass mir der Film gefallen muss und es meiner Meinung nach auch verdient hat, dass man über ihn ausführlich berichtet. Zwar kommt es manchmal vor, dass die Verkaufszahlen einiger Titel eher schlecht laufen, da die Filme öfters keine Super-Box-Office-Hits sind, aber das nehme ich in Kauf. Mit Titeln wie Titanic hätte man sicherlich gutes Geld mit einem Filmprogramm verdienen können, aber das hätte ich «moralisch» nicht vertreten können, da mir der Film eben nicht gefällt.

CL: Es gibt mittlerweile Programme zu Zombie, Zombie 2 - Das letzte Kapitel, Dawn of the Dead (2004), Die Rückkehr der Untoten, Night of the Living Dead, Shaun of the Dead und Land of the Dead. Diese Filmgattung scheint moralisch ganz gut vetretbar zu sein...

RK: Ja, wie man nur unschwer erkennen kann, liegt mir dieses Sub-Genre persönlich wirklich sehr nah am Herzen. Dawn of the Dead ist nun mal einer meiner Lieblingsfilme. Diesem Streifen habe ich es auch zu verdanken, dass ich so wundervolle Leute wie Frank Koenig, Sven Kernn u.v.a. kennen gelernt habe, mit denen ich nun seit vielen Jahren gut befreundet bin.

CL: Frank Koenig (Autor des Buches Dawn of the Dead - Anatomie einer Apokalypse) ist wohl auch der Spezialist für Romeros Zombie-Saga. Wer steuert außerdem noch Beiträge zum Pegasus-Filmprogramm dazu?

RK: Im Laufe der Jahre haben mich eine ganze Menge von Leuten völlig uneigennützig unterstützt. Egal ob ich von ihnen Texte, Bilder, Informationen oder Ratschläge und Tipps (auch von den anderen Filmprogramm-Herausgebern, insbesondere Uwe Wiedleroither und Rudolf Benda) erhalten habe. Ich muss an dieser Stelle ausdrücklich betonen, dass die Pegasus-Reihe ohne die Mithilfe dieser Personen schon vor Jahren gestorben wäre und qualitativ auch wesentlich schlechter dagestanden hätte.

Mein Mad Mags

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