
CL: Wie sieht es mit der Unterstützung durch die Filmverleihe aus? Stellt man Dir von dieser Seite Bild- oder Pressematerialien zur Verfügung oder musst Du andere Quellen anzapfen?
MB: Die Filmverleiher bieten, dem Internet sei Dank, sehr viel Material an. Das erleichtert die Recherche und das Zusammentragen von Informationen natürlich ungemein. Natürlich sind wir aber auch bei Conventions und Filmfestivals vor Ort um exklusive Bilder zu schießen, wie im November 2007 bei der Premiere zu Ittenbachs Dard Divorce.
CL: In den einschlägigen Filmforen wird desöfteren die ziemlich gewagte Rechtschreibung der X-Rated-Artikel kritisiert. Warum wird auf das Lektorat so wenig Wert gelegt?
MB: Auf diese Frage habe ich gewartet, wundert mich, dass sie erst so spät kommt. Ich möchte mich aber nicht dazu äußern...
Spaß beiseite, natürlich werde ich mich dazu äußern. Es ist in der Tat nicht von der Hand zu weisen, dass es in der Vergangenheit wirklich katastrophal um die Rechtschreibung in der X-Rated bestellt war. Das hat bei Andreas Bethmann angefangen und ging zu mir über. Es ist natürlich ein Reifeprozess, der sich da abspielt und man muss sich mit dem Mechanismus einer Publikation erst einmal vertraut machen. Als ich das Heft übernahm tippte ich meine Reviews und schickte diese, ohne die Korrektur gelesen zu haben, ab. Das war naiv ich gebe es zu, aber es war halt so. Nachdem ich erfahren hatte, dass es für das Heft keinen Lektor gibt, bat ich beim Verlag darum, dass ich das Heft vor dem Druck querlesen darf. Seitdem wird das auch so gehandhabt. Natürlich sind dadurch nicht alle Fehler beseitigt, dass erlaubt meine Zeit auch gar nicht, aber zumindest in Überschriften und auf dem Cover dürften keine Fehler mehr zu finden sein. Ich gebe mir auch schon beim Schreiben Mühe, die Fehler direkt zu verbessern und somit die Quote gering zu halten. Ich denke die Leser werden mir Recht geben, wenn ich sage, dass sich die Fehlerquote im letzten Jahr sehr reduziert hat.
Ein anderer Punkt ist der, dass die X-Rated ja von vielen «pseudointelligenten Proficineasten» - das musste ich jetzt loswerden *lach* - verdammt wird. Man macht sich lächerlich, witzelt und mokiert sich. Doch gelesen haben sie seit der Bethmann-Zeit kein Heft. Wie kann ich etwas beurteilen, das ich nicht kenne. Es hat natürlich auch einen Vorteil als «Bildzeitung» der (Horror-) Filmmagazine bezeichnet zu werden, denn jeder liest die Bildzeitung, aber keiner gibt es zu. Meine Bitte an alle Kritiker, Interessierte, Voreingenommene und an den Rest der Welt: Bildet Euch eine Meinung anhand des aktuellen Produkts. Mehr möchte ich auch gar nicht. Wenn ihr das Heft dann immer noch scheiße findet, bitte.
CL: Wieviel Zeit verbringst Du durchschnittlich für das Fertigstellen einer Ausgabe?
MB: Das ist sehr unterschiedlich, da ich das Magazin ja nicht hauptberuflich betreibe. Wenn man das alles zusammenrechnet, dann ist es bestimmt ein Monat. Ich schreibe das Heft ja fast ausschließlich alleine. Zum Glück sind seit zwei Ausgaben mit Kai Schröder und Stefan Rybkowski zwei wirklich begabte Schreiber zum Magazin gestoßen, deren Mitarbeit ich so schnell nicht wieder missen möchte.
CL: Es liegen Welten zwischen den sehr einfach gestrickten Ausgaben aus den frühen 1990er Jahren und den aktuellen Hochglanz-Magazinen. Wird sich aus dem ehemaligen Schnittberichte-Fanzine irgendwann ein «Multimedia-Magazin» wie Virus entwickeln - mit Spielerezensionen, Heimkino-Hardware-Empfehlungen, etc.?
MB: Die Virus kenne ich jetzt nicht so genau, aber ich denke nicht, dass aus dem X-Rated ein reines Multimediamagazin wird, aber aktuell berichten wir in jeder Ausgabe über neue Blu-Rays und das entsprechende Equipment. Wir haben auch schon mal über Videogames berichtet, aber das ist dann doch eher die Ausnahme. Wir haben uns dem Horrorfilm verschrieben und so wird es auch bleiben.

CL: In der Blütezeit der Film-Fanzines flogen ja desöfteren die Fetzen zwischen den Herausgebern. Jeder wollte «das beste» und «einzig wahre» Magazin veröffentlichen. Gibt es auch heute noch einen Konkurrenzdruck?
MB: Also davon habe ich persönlich noch nichts mitbekommen, ich kann natürlich nicht für die anderen Herausgeber sprechen. Einen direkten Konkurrenzkampf gibt es aber nicht, die Gory News aka Deadline ist ja jetzt ein Mainstream-Blättchen geworden und besprechen auch Standardfilme und Animes usw. Die Virus kenne ich wie gesagt nicht so gut, aber ich habe gehört, dass sie den Schwerpunkt mittlerweile auf Musik verlagert haben. Ich persönlich hege jedenfalls keine Antipathie gegen irgendeinen Herausgeber oder eine Publikation.
CL: Seit Jahren schon verzeichnen viele Printpublikationen - und nicht nur Filmmagazine - sinkende Auflagezahlen. Professionelle Genremagazine wie Cinefantastique oder Dreamwatch wurden völlig eingestellt. Haben gedruckte Magazine zu Zeiten des Internets langfristig überhaupt noch eine Chance?
MB: Das muss man etwas differenzierter sehen. Die Publikationen am Kiosk, die sich nicht auf ein Genre spezialisiert haben, kämpfen sicherlich um die Gunst der Leser und um verkaufte Exemplare. Das X-Rated-Magazin verkauft sich aber nach wie vor blendend. Die Leser wissen erstens was sie an uns haben und kriegen zweitens auch die Informationen, die sie haben wollen. Diese kriegen sie auch nicht im Internet. Ein anderer Punkt der hinzukommt ist, dass die X-Rated nicht nur eine Informationsquelle ist, sondern auch als Sammlerobjekt dient. Natürlich werden jetzt wieder einige Lachen und sagen der Bogner ist doch größenwahnsinnig und weltfremd, aber so ist es nun mal. Unsere Publikation ist die einzige, die komplett auf Hochglanzpapier gedruckt wird und somit auch optisch einiges hermacht. Ich denke in diesem Punkt kann uns auch keine Publikation das Wasser reichen, soviel Eigenlob muss auch mal sein, auch wenn es stinkt.
CL: Wie hoch ist ungefähr die aktuelle Auflage der X-Rated?
MB: Die aktuelle Auflage beträgt 6.000 Exemplare pro Quartal. Diese sind meistens auch schnell vergriffen.
CL: Gibt es Vorbilder für X-Rated auf dem deutschen oder internationalen Zeitschriftenmarkt?
MB: Vorbilder gibt es nicht direkt, denn es ist nicht gut, wenn man einem Ideal hinterher jagt oder man anstrebt ein Vorbild zu kopieren. Das wird meistens eh nichts oder wenn, dann erreicht man nie die Klasse des Originals. Wir gehen schon immer unseren eigenen Weg und fahren damit, wie es die Verkaufszahlen belegen, außerordentlich gut. Ich wüsste nicht, warum wir unseren Stil ändern sollten. Es gibt zwar Planungen, das Magazin von der Seitenzahl zu verdoppeln, aber das ist alles noch nicht in trockenen Tüchern. Aber zurück zu Deiner eigentlichen Frage, ich lese ab und zu die Fangoria, die und auch das Blatt der Saarbrückener Kollegen. Ein ganz großer Fan bin ich übrigens von Stefan Höltgen und dessen literarischen Outputs.
CL: Eine Zeitlang gab es ja verschiedene Sonderausgaben wie die X-Rated-Taschenbildbände. Sind in naher Zukunft weitere Sonderhefte geplant?
MB: Leider sind derzeit keine Specials geplant, es könnte sein, dass es mal einen Sammelband der vergriffenen Ausgaben gibt, aber aktuell ist da nichts in Planung. Wir gehen ja gerade steil auf die 50 zu und da müssen wir uns ja auch noch das ein oder andere Highlight einfallen lassen. Wir werden die Leser jedenfalls auch in Zukunft mit reichlich Stoff versorgen, denn wir wissen was wir an ihnen - den besten Lesern der Welt - haben.
Mein Mad Mags
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