Das kultige Szene-Printmagazin Gory News wird vorerst komplett seine Tore schliessen. An dessen Stelle wird man aber ab Januar 2007 mit dem völlig neuen Deadline - Das Filmmagazin durchstarten. Alexander Müller von dem Online-Musikmagazin
The Pit nahm diesen Grund zum Anlass, ein ausführliches Email-Interview mit dem Herausgeber Yazid Benfeghoul zu führen. Neben Thematiken rund um Deadline wird aber natürlich auch die musikalische Sparte hier nicht zu kurz kommen...
Alexander Müller (AM): Hallo Yazid. Dankeschön, dass Du dir spontan die Zeit für dieses Interview genommen hast? Am besten ist es jetzt wohl - für alle, die dich nicht kennen - wenn Du erstmal ein wenig über dich selbst erzählst: Wer und Was steckt alles hinter dem Menschen Yazid Benfeghoul?
Yazid Benfeghoul (YB): Ich bin männlich, befreundet und geistiger Vater des Gory News-Fanzines, das es in den 10 Jahren seiner Existenz bis zur 23. Ausgabe geschafft hat. Des weiteren betreibe ich seit 1999 den Gory News-Mailorder. Irgendwann Ende der 90er Jahre habe ich das Splatterday Night Fever-Festival ins Leben gerufen, das nun 3x im Jahr in einem der Saarbrücker City Kinos stattfindet. Im Jahr 2000 habe ich mit zwei Kollegen eine Videothek gegründet. Ganz frisch haben wir eine zweite Filiale eröffnet. Ich habe mein Abitur gemacht, wenn das jemand wissen will und habe ein Semester Sprachen studiert (danach kam es schon zur Videothekengründung und ich kündigte der Universität fristlos). In der Zeit habe ich auch angefangen, kleinere Independent-Projekte zu realisieren und zu produzieren. Scheinbar fand der ein oder andere Gefallen an meinen nicht vorhandenen Schauspielkünsten, was wohl erklärt, dass ich seitdem in über einem Dutzend kleinerer (Dutzendware-) Filme mehr oder weniger oft zu sehen war. Kleinere Statistenrollen auch bei größeren Produktionen sind jedoch weniger erwähnenswert. Ich sehe gerne Filme, auch Action, Komödien und Thriller fernab vom Horror. Ich sollte öfter schwimmen gehen und regelmäßiger essen.
AM: Seinerzeit erschien im November 1994 die allererste Ausgabe des Gory News-Fanzines. Das ist jetzt 12 Jahre her und die ersten beiden Ausgaben waren jeweils nur auf 100 Exemplare begrenzt gewesen. Im Grunde genommen damals noch recht «simpel und billig» in der Herstellung (s/w Fotokopien, verfasste Texte auf einer halblebigen Schreibmaschine usw.)? Hättest Du dir damals je träumen lassen, dass aus der Gory News mal eines der beliebtesten Splattermagazine Deutschlands werden sollte?
YB: Ich muss immer überlegen, wann das Erscheinungsjahr war. Du hast natürlich recht. Ich sollte, bevor ich, wie oben geschehen, falsch antworte, solche Fragen abwarten. Aber ist Gory News wirklich eines der beliebtesten Splatter-Magazine Deutschlands? Das können nur die Fans beantworten. Und zugegebenermassen habe ich schon eine Menge Lob von diesen treuen Seelen eingeheimst, wofür ich jedem einzelnen Leser auch ganz herzlich danken möchte. Es ist ein schönes Gefühl, zu wissen, dass sich noch jemand außer einem selbst unverstanden und unterdrückt fühlt und dem Underground frönt.
AM: Auf wessen Initiative hin kam es eigentlich damals zur Gründung der Gory News? Und wie viele redaktionelle Mitglieder wart ihr im Schnitt in der Anfangszeit?
YB: Irgendwie war das Fantasy Filmfest, das ich damals in Frankfurt besuchte, eine Art Auslöser. Ich hatte auf der Zugfahrt nach Hause plötzlich das Bedürfnis, darüber zu schreiben. Dazu noch ein paar Themen, die mich damals beschäftigten und für die ich - für heutige Verhältnisse - eher dürftig und blauäugig recherchierte, und fertig war das Heft. Es gab als redaktionelles Mitglied bei der ersten Ausgabe nur mich. Danach kamen bereits die ersten freiwilligen Mitarbeiter. Es waren dann irgendwann mal mehr als 10, und heute hat es ganz andere Ausmaße angenommen; ich selbst schreibe nur noch wenig bis gar nichts mehr.

AM: Was meiner Meinung nach die Gory News bis heute auszeichnet, ist einmal der sehr lockere und süffisante (aber immer fundierte) Schreibstil, sowie ein Hauptaugenmerk auf die Amateur- und Independentfilme aus nahezu aller Welt? Man könnte im Grunde wirklich sagen, dass ihr eine Art «Monopolstellung» intus hattet, denn diese Symbiose aus modernem Splatterfilmmagazin und Underground-Sprachrohr war schon einmalig gewesen zu dieser Zeit (okay, zwar gab es damals auch schon die Splatting Image, aber diese hatte bekanntlich nie wirklich viele gute Worte für den Amateurfilm übrig).
YB: Ich erinnere mich, wie toll ich das immer fand, einen Film zum Reviewen in der Post zu haben. Ich hatte richtig Spass daran, die Verpackung aufzureissen und mir alles mögliche, was die Macher mir zuschickten, anzuschauen. Doch das Besondere daran war einfach nur das Feeling zu der Zeit, was mich mit dem Amateur-Film verbunden hat und immer noch verbindet. Zwar sehe ich mir weniger Indie-Filme als früher an, aber ich weiss noch, warum ich das damals tat. Underground-Sprachrohr ist ein netter Begriff, und vielleicht war es mir nie richtig bewusst, wie monopol ich eigentlich war. Ich habe mich nie an anderen Zeitschriften orientiert oder sie womöglich kopiert! Obwohl ich als (damals) enthusiastischer Zeitschriftensammler und Vielleser Tonnen gebundenes Papier im Schrank hatte, kam es mir nie in den Sinn, mir Gedanken über Ideenklau zu machen.
AM: Ein eher düsteres Kapitel in der Gory News-Geschichte war ja seinerzeit die fragwürdige Indizierung der Ausgabe Nr. 11 gewesen. Wie kam es damals dazu und in wie fern hatte diese Amtsentscheidung für Euch persönliche Konsequenzen?
YB: Um sauber anzufangen: Ich habe stets und von jeher einen Altersnachweis von meinem jeweiligen Besteller angefordert und archiviert, so dass es nicht mir zu verdanken ist, dass irgendein Minderjähriger, der das Heft wohl bei einem verantwortungslosen Händler erstanden hat, in die Hände bekam und daraufhin auch dessen Mutter oder Erziehungsberechtigte, die dann meinte, gefährliches Gedankengut erwischt zu haben, so dass es zu einer Anzeige kam. Die Ankündigung der Indizierung und auch die letztendliche Indizierung könnt ihr in der Gory News 12 und 13 nachlesen. Eine solche Gesetzesentscheidung sollte man mindestens einmal im Leben gelesen haben; dann weiß man nämlich garantiert, dass man noch gesund ist. Persönliche Konsequenzen hatte es keine: es wurde die damals best verkaufte Ausgabe. Und das, obwohl, und das betone ich, seitdem, nie wieder ein Heft auf dem Postweg an einen Endkunden geschickt habe, was ja nicht erlaubt ist. Dafür haben es mir Grosshändler (sprich: Gewerbetreibende) aus den Händen gerissen, was erlaubt ist! Ist die Welt nicht gerecht?
AM: Mittlerweile besteht die Gory News-Reihe aus 23 Ausgaben. Hat es mitunter auch schon auf stattliche 180 Seiten Umfang gebracht (siehe Gory News Nr. 21) und hat zusätzlich als Bonus eine immer voll gepackte DVD mit exklusiven Interviews, Specials und Filmtrailern zu bieten. Doch nun wird die GN bekanntlich vorläufig komplett «auf Eis gelegt». Wieso?
YB: Eines schönen Samstags saßen Andreas Peter, seines Zeichens langjähriger Chefredakteur der Gory News, Markus, einer unserer Mitarbeiter, und ich uns zusammen und sponnen ein wenig herum, wie man Gory News besser an Mann und Frau bringen könnte, wie man andere Käuferschichten erreicht. Da dies nie mein Bestreben war und ich es «underground» belassen wollte, kam die Idee, ein komplett neues Magazin auf die Beine zu stellen, doch erst einige Monate später - Andreas hatte sich dazu weitere Gedanken gemacht - kam Germaine, eine weitere Mitarbeiterin, ins Spiel, die ebenfalls konkrete Ideen beigab. Ein neues Magazin bringt frischen Wind in die Seelen, dachten wir uns; das neue Magazin sollte regelmäßig erscheinen, was wir mit Gory News bis dato nicht zustande gebracht hatten und vollfarbig sein. Doch es konnte unmöglich Gory News heißen; der Underground Flair, der ihm anhaftete, wäre weg. So zumindest meine Meinung. Also sollte es anderes heißen. Das war die Geburtsstunde des Deadline. Wir werden weiterhin mit Gory News-Themen fortfahren, doch wird unser Hauptaugenmerk auf den Texten und nicht auf den Bildern liegen. Das hat sich auch bei den letzten Ausgaben Gory News immer mehr abgezeichnet: mehr Text, weniger krasses Bildmaterial, was irgendwie nach der Entwicklung des Heftes etwas fehl am Platz wirken würde, und nur um des Zeigens willen wäre kindisch. Also an alle Gory News-Leser: ihr werdet sicher großen Gefallen an Deadline finden, weil es zum einen immer noch die gleiche Schiene fährt wie Gory News, aber auch weiterhin was fürs Auge bietet, weiterhin ehrliche Filmkritiken verfasst, auf die man sich verlassen kann und einen, mit 5,00 Euro für Gory News-Verhältnisse regelrechten Dumpingpreis hat. Alle Abonnenten werden natürlich übernommen - ob sie wollen oder nicht! Am Layout hat sich ebenso drastisch etwas geändert wie am Preis: wir haben regelrechte Künstler aus Agenturen aufgetan, die für manch normale Sehgewohnheiten fast schon exzentrisch, aber überaus frisch und leicht Ideen-Kreationen der ganz besonderen Art aufs Papier zaubern. Ihr werdet überrascht sein.
Mein Mad Mags
- Chris:Vielen Dank an...
- Andreas Schiefl:und bestellen...
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