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Deadline - Das Filmmagazin

AM: Eure neue und aktuelle Spielwiese nennt sich Deadline - Das Filmmagazin und soll in der ersten Januarwoche 2007 erscheinen. Wie viel Gory News steckt noch in Deadline drin? Oder beschreitet Deadline mehr neue und eigene Wege?

YB: Soviel zum Thema «Frage schon oben beantwortet!» Hinzuzufügen wäre hier noch, dass Deadline, um an oben erwähnte «Erschliessung neuer Käuferschichten» anzuknüpfen, an die Kioske kommt und in gutsortierte Kaufhäuser. Denn da sehen wir Potential, denn in jedem kleinen Kaff in Deutschland muss ganz einfach jemand sein (und wenn es nur einer ist!), der unsere Vorliebe für andersartige Filme und unseren Geschmack teilt. Und Du, genau Du: wenn Dein Kaufhaus Deadline nicht führt, setz ihm eine Deadline, dass es zumindest für die kommende Ausgabe damit aufwarten kann! So muss es funktionieren. Weiterempfehlen und fragen, wo auch immer ihr es nicht seht, denn wir wollen eine weite Streuung. Nur so kann Deadline auf Dauer weiter existieren; Filmfirmen, die bei uns Werbung schalten, wollen Ergebnisse sehen. Und bisher haben wir schon tolle Unterstützung. Danke auch and dieser Stelle an alle Firmen, die an uns glauben.

AM: Habt ihr dann auch Angst, durch dieses neue Format evtl. einige alte Stammleser zu verlieren, die eher nur auf blutige Gore- und Splattereskapaden fixiert sind? Oder ist dieser neue, persönliche (Lebens-)Abschnitt für Euch jetzt einfach wichtiger?

YB: Die Gory News-Leserschaft ist stetig gewachsen. Und zugleich ist der Anteil der blutigen Bilder pro Ausgabe unmerklich zurückgegangen. Ist mir eigentlich eher durch Zufall einmal klargeworden. Früher war es mehr ein Rebellentum («krasser, härter, roter, toter») doch heute passt es einfach so, wie es ist. Die Leser sind wohl mit uns gewachsen. Und muss man wirklich noch was zu Splattereskapaden sagen, wenn jeder Mainstream-Kinofilm mit aufgespießten Köpfen, Folterungen, Vergewaltigungen und «Terroranteil 100»  aufwarten kann?

AM: Neben dem bisher bekannten Redaktionsteam gesellt sich zu Deadline nun auch eine Underground-Ikone wie Jörg Buttgereit (Der Todesking, Nekromantik). Wie konntet ihr diesen guten und viel beschäftigten Herren für euer redaktionelles Team gewinnen? :-)

YB: Ich habe Jörg, lang lang war?s her, auf dem Nippon Festival getroffen. Dann hatten wir über Jahre hinweg keinen Kontakt mehr, bis wir auf dem Weekend of Fear erneut ins Gespräch kamen, ich mich noch mal in Berlin mit ihm traf, ihn zum Splatterday Night Fever einlud, wo wir dann Tacheles redeten, und schon war es beschlossene Sache.

AM: Ebenfalls ein besonderer Clou für die Erstausgabe von Deadline ist die Verpflichtung von Die Ärzte-Drummer Bela B. Felsenheimer, der einen Gastartikel namens «Horror, privat» zum Besten geben wird? Resultiert diese Zusammenarbeit aus eurem guten Verhältnis zu Bela B. im Allgemeinen? Denn bekanntlich ist ja auch er ein großer Freund von Horrorfilmen jeglicher Couleur und ist auch als Schauspieler in diversen Szenefilmen zu sehen (wie u.a. in Garden of Love von Olaf Ittenbach oder in Kinder der Nacht - Am Ende der Ewigkeit von Heiko Bender und der Nightchild-Crew).

YB: Bela erweist uns damit einen Freundschaftsdienst, obwohl er, wie man weiss, tatsächlich ein Fan des Genres ist. Ich hatte ihm angeboten, eine regelmäßige Kolumne zu hosten, doch lehnte er aus Zeitgründen ab.

AM: Wie gefällt Dir eigentlich Bela´s Soloalbum Bingo? Viele Fans hatten ja eigentlich eher ein «düsteres Werk» von ihm erwartet. Heraus kam allerdings ein eher poppiges und verspieltes Album.

YB: Mir gefällt grundsätzlich alles, was abwechslungsreich ist. Und oft sind gerade Alben, die alles andere sind, als den Erwartungen entsprechend, die interessanteren. Es gibt Bands, die klingen und singen in jedem Song immer gleich. So was nennt man «hängengeblieben».

AM: Und welche Musikrichtungen (resp. Bands) werden u.a. noch von Dir gehört?

YB: Mein Musikgeschmack reicht von Death Metal, Grindcore, über Jazz, Blues, Deutsche Volksmusik bis hin zu 80s Songs. No go: R&B und Dumme-Dance Floor-Deppen-Mukke!

AM: Kann man jetzt schon sagen, ob auch in zukünftigen Ausgaben Musiker als Gastautoren tätig sein werden?

YB: Wer weiss?

Die ersten Deadline-Magazine

AM: Welche primären Ziele und Anforderungen habt ihr Euch für Deadline gesetzt?

YB: Pünktliches Erscheinen. Stetige Auflagensteigerung! Irgendwann mal Geld damit verdienen, und dennoch Spass dabei haben (das ist eins meiner Grundprinzipien, wenn ich einer Arbeit nachgehe).

AM: Aus aktuellem Anlass muss ich leider auch dieses tragische und aktuelle Ereignis mit einbringen: Im westfälischen Emsdetten hat der 18jährige Sebastian B. in seiner ehemaligen Realschule (Geschwister-Scholl-Schule) einen bewaffneten Rachefeldzug veranstaltet. Er hat 5 Menschen angeschossen und insgesamt wurden sogar 37 Menschen verletzt. Am Ende hat er sich dann selbst gerichtet? Nicht nur, dass so eine menschliche Tragödie im allgemeinen mal wieder schlimm genug ist, haben unsere vorschnellen Medien und Politiker bereits auch schon wieder einen «Hauptschuldigen» gefunden: Nämlich diese ganzen «bösen Ballerspiele, Gewaltfilme und aggressive Musiktexte» (zusätzlich zu der Tatsache natürlich, dass der junge Mann immer schwarze Kleidung trug und Einzelgänger war). Verzweifelt man als normal denkender Mensch nicht wirklich langsam daran, dass die «exekutiven Kräfte» in diesem Land lieber blinde Hetzjagden veranstalten anstelle besser nach den wahren Ursachen (privates und soziales Umfeld, Familienverhältnisse) zu forschen?

YB: Warum denn keine Hetzjagden veranstalten? Ich finde das gut! Sündenböcke gab's schon zur Zeit der Hexenverfolgung. Geschadet hat es der Kirche augenscheinlich nicht. Es ist so schön bequem, einer greifbaren Bedrohung in Form von «Gewalt-Games» und «Metzel-Movies» den schwarzen Peter zuzuschieben. Wie kann man etwas nicht Greifbares ändern? Wie verzweifelt müssen jene Politiker sein, die die Schuld bei Spielen und Filmen suchen? Besser dran sind solche, die ihre eigenen Lügen glauben. Davon gibt?s auch reichlich. Wie kann man in diesem Fall die wahren Ursachen ändern? Man müsste schliesslich ehrlich sein, wonach in der Politik meist der Fall auf dem Fuss folgt. Aufklärungsarbeit kommt hier zu spät. Wir haben es mit einer hoffnungslos degenerierten Gesellschaft zu tun. Die Eltern müssten Nachhilfeunterrichtsstunden nehmen, wie man ein Kind richtig grosszieht; dass es wichtig ist, mit ihm schon in der Wiege zu reden, mit ihm lachen, ihm zeigen, dass man es liebt, schätzt. Gewisse Talkshows und aggressive, laute Werbung tragen ganz sicher mehr zum psychischen Kollaps bei als der schlimmste Horrorfilm. Wenn ein jemand schon schräg tickt, kann es auch bei Folge 7865 der Lindenstrasse zum Ausraster kommen. Wo kommen wir denn hin, wenn ich schon Politik mache? Eher würde ich mir etwas antun, als mich in diese niederen Gefilde des geistigen Schmutzes zu begeben.

AM: Aber kommen wir jetzt zum Abschluss dieses Interviews wieder zu deutlich erfreulicheren Dingen im Leben: Was waren für Dich persönlich die filmischen Highlights und Flops des Jahres 2006 (und warum)?

YB: Highlight: Running Scared. Seht euch den Film an; das bedarf keiner Erklärung! Flop: Happy Feet. Kein Kommentar!

AM: ...und in Sachen Musik? Welche Silberlinge liefen in Dauerrotation im heimischen CD-Player heiss und welche hättest Du am liebsten vor lauter Frust aus dem Fenster geschmissen? ;-)

YB: Ich höre nicht besonders viel Musik. Wenn was im Hintergrund läuft, ist das ganz laut Death Metal (die neue Deicide ist sehr schön!) oder besinnliche Chillout- und Lounge Musik. Auch habe ich den Soundtrack von Day of the Dead wieder entdeckt und alles, was 80er-Jahre Synthesizer-Geplänkel in sich hat!

AM: So? Dann bedanke ich mich mal ganz herzlich bei dir Yazid für die investierte Zeit an diesem ausführlichen Interview! Ebenso wünsche ich Euch natürlich für Deadline alles Gute und viel Erfolg? Möchtest Du abschliessend noch ein paar letzte Worte an eure und unsere Leser von Your Source for Metal, Rock and GothicThe-Pit.de richten?
  
YB: Es war mir eine Freude. Hey, ihr da draussen: Bleibt dem Underground treu, klickt The Pit und lest das Deadline! Und bitte keine Nachbarn oder Schulkinder erschiessen.

Your Source for Metal, Rock and Gothic

Dieses Interview erschien zuerst am 16. Dezember 2006 auf der Webseite Your Source for Metal, Rock and GothicThe Pit. Es wurde uns mit freundlicher Genehmigung von Alexander Müller zur Verfügung gestellt. Mehr Informationen zu den beiden Magazinen finden Sie auf den Webseiten der Gory NewsGory News und des Deadline - Das FilmmagazinDeadline-Filmmagazins.

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