Er arbeitete als Journalist, Regisseur, Schriftsteller, Filmhistoriker, Herausgeber, Kreuzworträtselmacher (!) und Moderator einer TV-Horrorshow, die von 1971 bis 1984 über den Äther der Bay Area San Franciscos ausgestrahlt wurde. John Stanley ist ein echtes Multitalent. Die meisten seiner vielen Tätigkeiten haben einen gemeinsamen Ursprung: seine Leidenschaft zu obskuren Horror- und Science Fiction-Filmen.
John Stanley, Horror Host

John Stanley war schon seit seiner Kindheit ein Fan des Phantastischen Kinos und speziell jener «Horror Hosts», die auf den lokalen Fernsehanstalten seine Lieblingsfilme in atmosphärischen Studiokulissen ankündeten. Einer dieser «Horror Hosts» war Bob Wilkins, der seit dem Jahre 1971 beim Sender KTVU mit grossem Erfolg die Show Creature Features moderierte. Wilkins konnte sogar Stars wie die Star Trek-Ikonen Leonard Nimoy oder William Shatner als Interviewpartner gewinnen, was für eine Sendung dieses kostengünstigen Formats ungewöhnlich war. 1979 verließ Wilkins schließlich «seine» Creature Features: er hatte ein Angebot von keinem Geringeren als George Lucas vorliegen, um das Star Wars-Marketing zu übernehmen. Ein Nachfolger war schnell gefunden. Bob Wilkins und John Stanley kannten sich bereits seit Ende der 1960er Jahre, und Stanley war selbst schon mehrmals als Gast in Creature Features aufgetreten, um seine Bücher und seinen 1978 erschienenen Horrorstreifen Nightmare in Blood zu promoten. Was lag also näher, als John Stanley die Moderation von Creature Features anzuvertrauen? Bob Wilkins nahm den vielversprechenden Posten im damals noch überschaubaren Lucas-Imperium übrigens nicht an, weil dies einen Umzug erfordert hätte...
Die folgenden sechs Jahre führte John Stanley ein Doppelleben. Tagsüber verfasste er als Journalist Artikel für die renommierte Zeitung San Francisco Chronicle (1960-1993), zu späterer Stunde trieb er als «Horror Host» der Creature Features sein Unwesen! Unzählige Stars, Produzenten und Regisseure des Phantastischen Genres kreuzten in dieser Zeit seinen Weg. Das jähe Ende dieses Traumes kam im September 1984. Der Vorstand von KTVU beschloss nach stolzen vierzehn Jahren kurzerhand, Creature Features aus dem Programm zu entfernen. Das Format sei «zu blutig, zu gewalttätig» und wäre seiner Zeit längst entwachsen. Stanleys aktive Zeit vor laufenden Kameras war damit bis auf kleine Kurzauftritte vorbei.
Fortan beschäftigte ihn das Verlegen von Büchern, womit er schon lange vor seiner Zeit als «Horror Host» begann. Bereits 1966 brachte er zusammen mit Malcolm Whyte ein Buch über Superhelden heraus. The Great Comics Game war ein Quiz-Buch mit vielen Illustrationen und noch mehr Fragen rund um Superman, Batman und deren Kollegen. Vier Jahre darauf erschien Stanleys erster Roman, eine Kriegssatire mit dem Titel World War III. Das Werk basierte ursprünglich auf einem Drehbuch, für das Stanley jedoch keinen Produzenten finden konnte. Mit The Monster Movie Game folgte ein weiteres Quiz-Buch, dieses Mal bekannten Horror-Stars und anderen finsteren Film-Ungetümen gewidmet. Auch das Buch The Dark Side (1977), eine Zusammenarbeit mit Kenn Davis, war ein in Romanform gepresstes Drehbuch - mehr oder weniger eine Notlösung, da eine Kooperation mit dem einzigen Interesse zeigenden Filmstudio American International Pictures aufgrund ärgerlicher Vertragsklauseln nicht zustande kam. Stattdessen inszenierten die beiden Autoren den Horrorfilm Nightmare in Blood, einen satirischen Seitenhieb auf das Horror-Fandom jener Tage.

Seiner eigenen Aussage nach schlechtestes Buch erblickte ebenfalls 1977 das Licht der Welt: Viva Knievel war der Roman zum gleichnamigen Film mit dem legendären Stuntman Evel Knievel, der wirklich nur für eingefleischte Fans des «Daredevils» goutierbar war. Stanleys nächster Streich nannte sich Bogart '48. Originell war hier, dass sämtliche männlichen Charaktere der Mysterygeschichte Namen trugen, die man von den Filmfiguren Humphrey Bogarts her kannte. Das Werk wurde 1980, nach einer mehreren Monate dauernden Verzögerung durch den Verlag Dell Books, veröffentlicht. Die beiden folgenden Bücher entpuppten sich als finanzielle Desaster. Im Frühjahr 1987 veröffentlichte Stanley die Kurzgeschichtensammlung Lost in Time and Space with Lefty Feep. Sämtliche Stories stammten aus der Feder von Psycho-Vater Robert Bloch, welche bereits allesamt in Pulp-Magazinen der 1940er Jahre abgedruckt wurden. Trotz der eher geringen Auflage von 5000 Exemplaren benötigte Stanley mehrere Jahre, um die Bücher unters Volk zu bringen. Ähnlich erging es ihm mit Them Ornery Mitchum Boys, einer Biographie von John Mitchum, Bruder des Weltstars Robert Mitchum. Gedruckte 5000 Exemplare verkauften sich auch hier miserabel, weil John seine (wie sich später herausstellen sollte) vom Alkohol betäubten Jugenderinnerungen gerne zum Positiven hin zurechtbog und jegliches Skandälchen verschwieg. Lediglich zweihundert von den Mitchum-Brüdern signierte Hardcover-Editionen waren schnell vergriffen.
Mein Mad Mags
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