Die Geschichte der «Creature Features Movie Guides»
John Stanleys bekannteste Bücher sind zweifellos seine Creature Feature Movie Guides, auf die Filmfans in der ganzen Welt immer gerne zurückgreifen. Das erste Manuskript seines bis dahin noch namenlosen Filmführers existierte bereits Mitte der 1970er Jahre, lange vor seiner Tätigkeit als Host der Creature Features. Doch seine Suche nach einem Verleger für sein Werk blieb erfolglos. Erst Anfang des Jahres 1980 fasste er den Entschluss, das Veröffentlichen seines Buches auf eigene Faust zu riskieren. Wenige Monate später stapelten sich stolze 10.000 Bücher in seiner Garage, die nur darauf warteten, unters Volk gebracht zu werden... Von der Leserschaft wurde die erste Ausgabe des Creature Feature Movie Guides, die immerhin schon einen Umfang von rund zweihundert Seiten sowie annähernd 2700 Filmbesprechungen aufweisen konnte, durchweg positiv aufgenommen. Dank seinem gestiegenen Bekanntheitsgrad als Moderator verkaufte sich das Buch zunächst bei den ansässigen Händlern, später auch im ganzen Land.
Durch die Unterstützung eines Freundes, der bei einem Verlagshaus San Franciscos arbeitete, wurde Stanley schon bald zu einer Neuauflage ermuntert. Das Glück schien dieses Mal auf seiner Seite zu stehen, denn mit Warner Books in New York fand er schon bald einen Verlag, der sich des Movie Guides annehmen wollte. 1983 erschien somit die zweite, auf über 3000 Reviews erweiterte Edition mit einer Auflage von 15000 Exemplaren. Ein schleppender Abverkauf der Neuauflage ließ Stanleys Traum von einer noch umfangreicheren, dritten Edition durch den New Yorker Verlag wie eine Seifenblase zerplatzen.
Vier Jahre später, im April 1988, war es dann soweit - der Revenge of the Creature Features Movie Guide erblickte das Licht der Welt. Wie schon die erste Edition erschien er im Eigenverlag Creatures at Large Press. Die gedruckten 10000 Exemplare verkauften sich dieses Mal wie warme Semmeln, so dass er wegen der unerwartet hohen Nachfrage weitere 5000 Bücher nachdrucken ließ. Eine auf nur 250 Exemplare limitierte Hardcover-Edition des Revenge of the Creature Feature Movie Guides zählt heute zu den begehrten Sammlerstücken.

Im Frühjahr 1990 begann Stanley, eine vierte Ausgabe vorzubereiten. Warner Books zeigte zunächst Interesse an einer Veröffentlichung, zog das Angebot später jedoch wieder zurück, weil im gleichen Jahre bereits Rex Reed's Guide to Movies and TV in den Startlöchern steckte... ein Filmlexika, welches sich ganz nebenbei als finanzielles Desaster für Warner Books herausstellen sollte! Der Creature Features Movie Guide Strikes Again war also wieder ein Fall für den Eigenverlag. Mit unglaublichen 5614 Filmrezensionen sprengte diese Edition alles, was Stanley zuvor veröffentlicht hatte. Erstmals druckte Creatures at Large Press ein Buch mit einer Auflage von 15000 Exemplaren sowie weiteren 1000 Hardcover-Editionen.
Als dieser meterhohe Stapel zu Beginn 1996 auf magere 1000 Bücher zusammenschrumpfte, begannen Stanleys Videorekorder erneut Sonderschichten einzulegen. Mit dem festen Entschluss, das Marketing und den Vertrieb wieder in die Hände eines externen Verlagshauses zu legen, setzte er sich an den heimischen Rechner und verfasste Hunderte neuer Artikel. Berkley Books brachte schliesslich im Frühjahr 1997 den fünften Filmführer heraus, der sich nun Creature Features: The Science Fiction, Fantasy and Horror Movie Guide nannte. Auch die letzte Edition erschien bei Berkley Books. Neue Verantwortliche in den Chefetagen des Verlages schafften es jedoch, Stanley immer wieder neue Steine in den Weg zu legen und die Arbeiten an dem Buch zu verhindern. Erst im August 2000 verliessen die Bücher der sechsten Auflage die Druckerpressen. Da sich Berkley Books die Rechte an dem Titel gesichert hatte, bestand für John Stanley nun keine Möglichkeit mehr, eine weitere Neuauflage zu veröffentlichen. Mit der höchsten Auflage der Serie ist die Updated Edition des Millenniums-Sommers die letzte Ausgabe des Creature Feature Movie Guides. Exakt dieses Buch soll nun noch einmal genauer betrachtet werden.
Ein Review zur «Updated Edition»
Unzählige Informationen zu den begehrten und zum Teil auch seltenen Zelluloid(mach)werken boten schon die ersten fünf Ausgaben des Creature Feature Movie Guides, aber ein grosses Manko der Bücher war die Tatsache, dass manche Einträge in den jeweils neueren Ausgaben plötzlich nicht mehr auftauchten, oder sich einfach nur Querverweise zu älteren Büchern fanden... und man somit dazu gezwungen wurde, sich auch die «veralteten» Filmführer zu besorgen. Auch die 1994 veröffentlichte vierte Ausgabe Creature Feature Movie Guide Strikes Again - mit stolzen 5600 Einträgen - wies noch diesen Mangel auf. Diese Kinderkrankheiten konnten erst in den beiden letzten Fassungen von 1997 und 2000 in der Updated Edition endgültig beseitigt werden, denn Creature Features: The Science Fiction, Fantasy and Horror Movie Guide ist endlich zu einem völlig eigenständigen Lexikon herangewachsen, so dass man auf die Vorgänger nicht mehr angewiesen ist.

Im Gegensatz zu anderen «Movie Guides» wie beispielsweise der Overlook Film Encyclopedia beschränkt Stanley die Inhaltsangaben der Filme auf wenige Sätze, um dafür mehr auf Hintergrund-Informationen und die Leute vor und hinter den Kameras einzugehen. Ein lobenswertes Konzept, das letztlich aber nur halbherzig umgesetzt worden ist, weil es dem Autor offensichtlich entgangen ist, dass sich manche Regisseure lieber hinter einem Pseudonym verstecken, als ihren Namen für einem billigen Schund herzugeben - zum Beispiel wird bei Man-Eaters of Hydra (Das Geheimnis der Todesinsel) als Regisseur Mel Welles aufgeführt, obwohl sich hinter diesem Künstlernamen Ernst von Theumer verbirgt. So bleiben auch die wahren Leute hinter dem gerne genutzten Pseudonym «Alan Smithee» (Hellraiser IV, Bloodsucking Pharaos of Pittsburgh) im Dunkeln.
Die Freunde des Splattergenres werden Gefallen an dem Buch finden, da Stanley gerade bei der härteren Kost gerne die blutigen Höhepunkte dieser Filme hervorhebt. Es gibt jedoch keine Bewertung der Einträge nach einem «Härtegrad» wie beispielsweise bei Trebbins Die Angst sitzt neben Dir oder Baluns The Gore Score, sondern eine einfache Skala zwischen einem und fünf Sternen (einschliesslich «halben» Sternen), die über die Qualität des Streifens aussagen soll. Wie allerdings eine Hightech-Gurke wie Lost in Space sensationelle 3 1/3 Sterne ergattern kann, Deep Impact eine ebenso hohe Wertung bekommen hat wie Camerons The Abyss (vier Sterne) und obendrein noch Batman Forever als bester Teil der Kinoserie um den «Dunklen Ritter» gefeiert wird, bleibt mir ein Rätsel. Aber über Geschmack kann man ja bekanntlich streiten... Unverzeihlich ist dagegen der Fehler, dass der Mörder im ersten Teil der Freitag der 13.-Serie Jason ist...
Trotz dieser Schwächen sollte Creature Features ein erster Griff ins Buchregal sein, wenn Informationen über einen bestimmten Film gesucht werden. Da sich die Auswahl der Filme bis auf wenige Ausnahmen auf Genrestreifen beschränkt, kann man sich eigentlich ziemlich sicher sein, dass man hier in der Fülle von schätzungsweise 6000 Titeln auch etwas findet.
© Christian Lorenz
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