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Die Enzyklopädie des Phantastischen Films nimmt unter den Nachschlagewerken, die sich Horror-, Science Fiction- und Fantasyfilmen widmen, einen Sonderstatus ein. Das Werk erscheint nicht in der üblichen Buchform, sondern als Loseblattsammlung, zusammengefasst in dreizehn Ordnern mit insgesamt über 14.300 Seiten Umfang. Etwa dreimal in einem Jahr erscheinen Updates von etwa 180 Seiten in Form eines Abonnements, die neue Artikel und Erweiterungen bereits bestehender Rubriken beinhalten. Ein grosser Vorteil dieses Systems gegenüber anderen Filmlexika ist, dass diese Enzyklopädie völlig problemlos aktualisiert werden kann, weil man neue Inhalte ganz einfach zwischen bereits vorhandene Texte einfügen kann - während dies das übliche Buchformat nur in Form neuer Auflagen zulässt. So besteht die Enzyklopädie des Phantastischen Films aus einem Grundwerk vom September 1986, welches durch nunmehr 79 Ergänzungslieferungen (Stand: Dezember 2007) zu einer beachtlichen Grösse herangewachsen ist.

Teil 1: Filme

Aufgeteilt ist das Nachschlagewerk in vier Teile: Filme, Serien, Personen sowie «Themen & Aspekte». Der erste Teil ist zugleich auch der grösste, denn in den ersten acht Ordnern dreht es sich ausschliesslich um Kino-, Video- und Amateurproduktionen. Hier wird gleich eine Stärke der Enzyklopädie deutlich: da Platz keine Rolle spielt, können die Autoren wesentlich mehr auf die Filme eingehen und so auch Informationen bereitstellen, die man in anderer Sekundärliteratur vermissen mag. Schon die Stabangaben sind immer möglichst ausführliche gehalten. Lediglich bei grossen Effektspektakeln, an denen gleich Hunderte von Tricktechnikern beteiligt waren, werden nicht alle Mitwirkenden aufgelistet. Die Inhaltsangaben sind ebenfalls sehr detailliert - und wer sich nicht den Filmgenuss verderben will, sei hiermit gewarnt: die Enden werden immer verraten! Trotz des hohen Anspruchs dieser Enzyklopädie fällt es angenehm auf, dass neben den «grossen» Werken wie 2001 - Odyssee im Weltraum oder Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt auch billige Splatterproduktionen wie Peter Jacksons Bad Taste und Olaf Ittenbachs Komabrutales Duell immer fair besprochen werden. Reisserische Entgleisungen wie bei den Lexika von Volker Jansen und Ronald M. Hahn bekommt der Leser nicht serviert. Die Autoren gehen stark auf die Charaktere in den Filmen ein, analysieren filmhistorische Bezüge sowie Unterschiede zu ähnlichen Produktionen und lassen es sich nicht nehmen, bei besonderen Filmgurken auch mal einen ironischen Kommentar loszuwerden. Ergänzt werden die insgesamt l300 Kritiken mit zahlreichen Literaturhinweisen und Buchtipps. Bisweilen ufern einige Texte auch aus: so umfasst die Rezension von Richard Fleischers Die phantastische Reise stolze 51 Seiten, von denen sich ganze 40 Seiten alleine dem Inhalt widmen. Da kann man es sich wirklich sparen, auch noch den Film zu sehen...

Dieses Mammutwerk macht sich gut in jedem Bücherregal!

Teil 2: Serien

Fernsehserien sind das Thema des zweiten Teiles der Enzyklopädie des Phantastischen Films. Knapp vierzig Produktionen werden vorgestellt, das Angebot reicht von harmloser Nachmittagsunterhaltung wie Alf, Knight Rider oder Max Headroom bis hin zu Kultreihen wie The Avengers, Dr. Who und Twilight Zone. Auch Fans von neueren Serien wie Akte X und Stargate SG-1 dürften hier auf ihre Kosten kommen, auch wenn einige Kapitel natürlich noch nicht abgeschlossen sind, weil immer noch neue Episoden und Staffeln gedreht werden. Eine kurze Einführung erklärt die grundlegende Handlung der Serien und geht auf die Entstehung, die Popularität und die Hauptiguren ein. Anschliessend folgen Episodenführer, die zu jeder Folge eine knappe Inhaltsangabe, den Namen des Regisseurs sowie das amerikanische und auch deutsche Datum der ersten Ausstrahlung bereitstellen. Auch im Serienteil ist der Umfang beachtlich: alleine die verschiedenen Star Trek-Serien umfassen mehr als 500 Seiten!

Teil 3: Personen

Berühmtheiten aus dem Filmbusiness ist der dritte Teil gewidmet. Nicht nur Schauspieler wie Peter Cushing, Lon Chaney jr., und Vincent Price werden anhand von ausgedehnten Biographien und Auflistungen aller Titel, an denen sie beteiligt waren, vorgestellt, sondern auch Regisseure (Dario Argento, Jacques Tourneur, James Whale), Trickspezialisten (Ray Harryhausen, Richard Edlund), Komponisten (James Horner, Michael Kamen) und Maskenbildner (Tom Savini, Roy Ashton). Knapp 150 Einträge hat das Personenregister zur Zeit und füllt einen ganzen Ordner der Enzyklopädie. Wie auch bei den Filmen werden die Texte durch Literaturhinweise ergänzt.

Teil 4: Themen und Aspekte

Der Bereich «Themen und Aspekte» befasst sich mit den Motiven des Phantastischen Films in Form von sechzig Artikeln, die allesamt sehr tief in die Materie eindringen und das Genre von der wissenschaftlichen Seite erkunden. Es geht unter anderem um die italienischen Kannibalen- und Endzeitfilme, Zombies, Werwölfe, Dracula- und Frankenstein-Adaptionen, Spezialeffekte und genrebezogene Soundtracks. Die Facetten des Thrillers werden beleuchtet wie Fantasy- und Serienkiller-Produktionen, zum schnellen Nachschlagen findet der Filmfreund hier auch kurze Kritiken aller deutschen Video-Erstaufführungen der Jahre 1988 bis 1993. Ein weiterer grosser Bestandteil der «Themen und Aspekte» ist die Bibliographie zum Phantastischen Film, in der man Tausende von Querverweisen zu anderen literatur-, kunst- und sozialwissenschaftlichen Filmschriften finden kann. Und spätestens hier wird auch klar, an welche Zielgruppe sich die Enzyklopädie des Phantastischen Films wendet. Autoren, Filmhistoriker und Herausgeber von «phantastischen» Publikationen werden Gefallen an dem Werk finden, welches das gesamte Gebiet des Genres abdeckt und sich eingehender mit dem Material auseinandersetzt, als es der «normale» Filmfreund für nötig befinden wird. Der greift lieber zu einem Nachschlagewerk, welches sich in erster Linie seinem Lieblingsgenre widmet. Splatterfans werden wohl kaum Interesse an einem Raumpatrouille-Episodenführer haben, und umgekehrt werden Liebhaber von Jules Verne-Adaptionen keinen Blick in die Filmographie von Lucio Fulci werfen. Die im Vergleich zu den Ausmaßen dieses Werkes eher geringe Anzahl an Einträgen im Film-Bereich und die kostspielige Anschaffung sind ebenfalls Gründe dafür, dass sich Filmfreaks die Enzyklopädie des Phantastischen Films nicht ins heimische Regal stellen werden.

Mehr Informationen finden Sie auf der Seite des Corian-VerlagVerlages.

© Christian Lorenz

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