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Filmpost Büdingen und Illustriertes Filmprogramm

Ausgerechnet in der Sowjetischen Besatzungszone (der späteren DDR) erschien die erste Filmprogrammreihe der Nachkriegszeit, die selbstverständlich auf das sozialistische Filmangebot zurechtgeschnitten war. Doch diese Reihe fand keinen großen Anklang, so daß sie bereits im folgenden Jahr wieder eingestellt wurde. Interessant ist hier der Titel der Reihe, denn dieser lautete - originellerweise - Illustrierter Film-Kurier! Eine weitere sehr kurzlebige Publikation war die Filmpost aus Büdingen, das etwa vierzig Kilometer von Frankfurt/Main entfernt ist. Die Programmhefte dieser Serie bestanden wie schon das Programm von Heute (1936-1944) aus sechs ineinandergefalteten Seiten, hatten jedoch das kleinere Format von 27 x 13 cm. Die Filmpost existierte von 1946 bis 1949. Kaum besser erging es dem Wiener Illustrierten Filmprogramm, von dem zwischen 1947 bis 1951 über fünfhundert Programmhefte veröffentlicht wurden. Die vierseitigen Hefte behandelten in erster Linie amerikanische Produktionen.

Mit der Illustrierten Filmbühne erblickte 1946 endlich wieder eine Programmreihe das Licht der Welt, welche dem Berliner Film-Kurier der Vorkriegszeit das Wasser reichen konnte. Die vierseitigen Hefte entwickelten sich schnell zur beliebtesten Programmreihe Deutschlands und brachten es bis zur Einstellung im Jahre 1969 auf stolze 8069 Ausgaben. Die Herausgeberin der Illustrierten Filmbühne, die in München ansässigen Vereinigten Verlagsgesellschaften Franke & Co. KG, veröffentlichten ab 1963 eine Parallelserie mit dem Titel - man glaubt es kaum - Illustrierter Film-Kurier! Diese Sonderausgaben waren mit zwölf Seiten deutlich umfangreicher und boten dementsprechend auch schöneres und vielfältigeres Bildmaterial. Dieser Film-Kurier wurde nach 288 Programmheften zusammen mit der Illustrierten Filmbühne im Jahre 1969 eingestellt. Beide Reihen dokumentierten ihrerzeit den grössten Teil des westdeutschen Filmangebotes. Mit dem Ende der Filmbühne wurde auch die Ära der «großen» Filmprogrammreihen Deutschlands - exakt fünfzig Jahre nach ihrem Beginn - abgeschlossen. Für Neulinge auf dem Gebiet des Filmprogramm-Sammelns dürften übrigens vier Bücher interessant sein, in denen jeweils fünfzig Programmhefte, nach bestimmten Genres ausgewählt, im Originalformat nachgedruckt wurden. Diese Sammelbände erschienen 1978 im Münchener Verlag Monika Nüchtern, sind aber trotz des Alters noch recht günstig bei den gängigen Auktionshäusern oder in antiquarischen Buchhändlern zu ergattern. Die Titel der vier Bände lauten Illustrierte Filmbühne I: 50 Hollywood-Filme, Illustrierte Filmbühne II: 50 deutsche Nachkriegsfilme, Illustrierte Filmbühne III: 50 Horror-, Monster-, Science-Fiction-Filme und Illustrierte Filmbühne IV: Western. Der dritte und schönste Band enthält unter anderem Nachdrucke der Programmhefte zu King Kong und die weiße Frau, Gefahr aus dem Weltall, Der Schrecken vom Amazonas sowie dem ersten japanischen Godzilla-Film von 1954.

Nachkriegs-Filmprogramme

Zeitgleich mit der Illustrierten Filmbühne erschien auch in Wien eine neue Filmprogrammreihe. Es handelte sich wieder um einen Illustrierten Film-Kurier... und damit quasi um einen direkten Nachfolger des österreichischen Vorkriegs-Film-Kuriers aus den Jahren 1930 bis 1938. Damit wäre dieser Film-Kurier tatsächlich schon die fünfte Programmreihe mit diesem Namen! Da die Nummerierung der neuen Ausgaben mit der #1 begann, gilt der Kurier als eigenständige Filmprogrammreihe. Auffallend ist bei diesem Filmprogramm eine deutliche Tendenz zu amerikanischen Filmproduktionen, was sich durch den starken Einfluss der MPEA (Motion Picture Export Association) begründen läßt. Diese bereits 1922 gegründete Organisation der amerikanischen Filmindustrie hatte zum Ziel, ausländische Filmmärkte für eigene Filme zu öffnen. Programmhefte dieses neuen Film-Kuriers erschienen in den ersten Jahren in einem kleineren Format als spätere Ausgaben, was von der noch immer herrschenden Papierknappheit in den ersten Nachkriegsjahren herrührte. 1950, also vier Jahre nach der «Wiedergeburt» des Wiener Film-Kuriers, gesellte sich das Programm von Heute dazu (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Vorkriegs-Programm aus Deutschland!). Hier lag der Schwerpunkt auf Heimatfilmen, Schlagerschnulzen und anderen deutschsprachigen Produktionen, an denen sich heutzutage bestenfalls noch ältere Semester erfreuen können. US-Werke verirrten sich nur selten ins Angebot der fünfhundert Ausgaben umfassenden Programmreihe. Diese beiden Reihen teilten sich also das Filmangebot Österreichs auf. Es kam zu keinen Überschneidungen, und es herrschte demzufolge auch kein Konkurrenzkampf. 1951, mit dem Erscheinen des 1000. Illustrierten Film-Kuriers, einigten sich die Herausgeber der beiden Programmreihen auf ein gemeinsames Format von 16,1 x 23,9 cm für jedes Programmheft. Diese Größe gilt seitdem als Standard für alle österreichischen Filmprogramme, während in Deutschland seit jeher die DIN-Formate (A4 / A5) bevorzugt werden. Fünf Jahre später fusionierten das Programm von Heute und der bis dato 2657 Ausgaben umfassende Illustrierte Film-Kurier zu einer neuen Reihe: dem Neuen Filmprogramm. Es ist die einzige Programmreihe, die in den 1950er Jahren startete und auch heute noch existiert. Da verwundert es nicht, dass das Neue Filmprogramm mit seinen über 12.000 Ausgaben die mit Abstand größte Programmreihe der Welt ist! Seit 1998 erscheint die Reihe im Filmprogramm- & Kunstverlag Wiens, was eine gesteigerte Druckqualität als zu Zeiten der Filmprogramm Verlagsgesellschaft mbH hervorrief. Ein Ableger des Neuen Filmprogramms ist der Neue Film-Kurier, der seit 1964 das Verlagsangebot ergänzt. Es ist eine hochwertigere Filmprogrammreihe mit bis zu zwanzig Seiten Umfang und einem größeren Format von 17,9 x 25,8 cm. Jedes dieser Programme wartet mit einem farbigen Umschlag auf und erinnert mit den zusätzlichen Making-of-Berichten und Biografien eher an ein Souvenirmagazin als ein Filmprogramm. Bislang sind etwa 500 Ausgaben des Neuen Film-Kuriers erschienen, die Reihe wird fortgesetzt. Ferner gibt es noch spezielle Jubiläumsausgaben des Neuen Filmprogramms, die ausschließlich Filme behandeln, die in irgendeiner Form etwas mit dem Land Österreich zu tun haben... wie etwa die Sissi-Filme. Hierbei handelt es sich teilweise um optisch aufgepeppte Nachdrucke bestehender Neuer Filmprogramme, aber auch um komplett neue Programmhefte.

Nachdem die Geschichte des Neuen Filmprogrammes uns bereits bis in die Gegenwart geführt hat, wagen wir doch noch einmal einen Sprung zurück in die 1950er Jahre... und zwar ins süddeutsche Mannheim. Im äußerst produktiven Verlag H. Klemmer erschien ebenfalls eine Reihe mit dem Namen Das Neue Filmprogramm, welche zwischen 1950 und 1961 etwa fünftausend Programmhefte hervorbrachte. Grob gerechnet erschien also jeden Tag eine neue Ausgabe - elf Jahre lang, Wochenenden dazugerechnet! Diese Programmreihe verstand sich als direkte Antwort auf die Illustrierte Filmbühne, da zum einen der Preis von zehn Pfennig identisch war, und zum anderen auch die gleichen Filme besprochen wurden. Die Hefte des Neuen Filmprogramm waren mit zwölf Seiten Umfang und ab und zu dazwischengeschobenen Programmheften mit farbigen Titelblättern optisch ansprechender als die lIlustrierte Filmbühne. Zeitgleich mit dem Mannheimer Neuen Filmprogramm tat sich auch wieder etwas Neues hinter dem Eisernen Vorhang. Dort erschien ab 1950 die bekannteste Programmreihe der DDR. Das Progress Filmprogramm, welches zu Beginn noch als Progress Filmillustrierte verkauft wurde, erschien zunächst in unnummerierten Ausgaben im Kleinformat und wechselte später zur A4-Größe. Herausgeber war der Progress Filmverleih mit Sitz in Berlin, der seit der offiziellen Gründung am 1. August 1950  auch heute noch besteht und somit zu den ältesten Filmverleihern Deutschlands zählt. Damit war das Progress Filmprogramm auch die erste Programmreihe, die direkt von einem Verleiher herausgegeben wurde. Bis zu diesem Zeitpunkt waren es immer Verlage, welche ihre Filmprogrammreihen direkt für den Verkauf in den Lichtspielhäusern produzierten. 1966 änderte man den Titel dieses Programmes in Film für Sie, unter dem die Publikation bis 1977 fortgeführt wurde. 

Nachkriegs-Filmprogramme

Die letzte Programmreihe der 1950er Jahre war die Kleine Filmkunstreihe aus dem Verlag Neue Filmkunst Walter Kirchner in Göttingen. Diese Programmhefte waren mit 16 bis zu 32 Seiten recht umfangreich und beinhalteten oftmals interessante Texte über die Filmproduktionen, illustriert mit vielen Schwarz/Weiss-Fotos. Insgesamt erschienen zwischen 1959 und 1973 knapp über einhundert Hefte in dieser Reihe. 1961 erschien das zweite - und unterSammlern begehrteste - Verleiher-Filmprogramm, dieses Mal aus Frankfurt/Main. Die Atlas-Filmhefte gleichnamigen Verleihs warten allesamt mit einem originellen Titel-Artwork auf, sind im Querformat von 20 x 23 cm gestaltet und bieten auf 24 Seiten zahllose Informationen, die oftmals weit über das hinausgehen, was man in anderen Programmreihen vorfindet. Sogar anerkannte Filmkritiker und Filmhistoriker wie Enno Patalas, Verfasser des Buches Metropolis in / aus Trümmern oder Werner Schwier, der «Stummfilm-Conférencier des Deutschen Fernsehens» (Spiegel), haben Texte für Atlas-Filmhefte verfasst. 1967 wurde diese Programmreihe eingestellt.
 
Mit der mittlerweile legendären deutschen Zeitschrift Vampir erblickte 1972 schließlich das erste professionelle Genre-Magazin das Licht der Welt. Für heutige Verhältnisse mag diese Publikation zwar recht einfach gestrickt wirken, aber die insgesamt 24 erschienenen Ausgaben (bis 1982) wirken immer noch charmanter als so manche Hochglanzpostille der Gegenwart. Parallel zu Vampir rief Chefredakteur Manfred Knorr auch eine eigene Filmprogrammreihe ins Leben, die leider nur zwei Jahre überdauerte und es auf 69 Ausgaben brachte. Die Rede ist vom Aktuellen Filmprogramm, welches sich auf stets vier großformatigen Seiten vor allem mit Produktionen abseits Hollywoods beschäftigte - etwa Vampirfilmen der britischen Hammer-Schmiede, französischen Exploitation-Streifen und japanischen Riesenmonstern. Innerhalb des in Nürnberg erschienenen Aktuellen Filmprogramms gab es noch zwei Sonder-Reihen. Die Ausgaben #22 bis #36 trugen den Titel Vampir-Filmprogramm und behandelten ausschliesslich Filme aus dem Horrorfach. Die folgenden vier Ausgaben #37 bis #40 wurden als Comic-Filmprogramm herausgegeben und widmeten sich den Zeichentrickfilmen Snoopy, Die tollkühne Hexe in ihrem fliegenden Bett, Lucky Luke sowie Zuckermanns Farm. Ab der #41 zierte das Logo des Aktuellen Filmprogrammes wieder die Titelseiten.

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