Ein Artikel von Harald Dolezal

In Japan gibt es seit den frühen 70er Jahren selbstverständlich eine unglaubliche Anzahl an Literatur über Godzilla. Zumeist handelt es sich um prächtige Fotobände. Bereits zum ersten Film gab es in den 50er Jahren ein achtseitiges Programm bzw. Souvenirheft mit Farbcover. Diese Tradition setzt sich bis zum heutigen Tag fort. Mittlerweile sind die Hefte viel umfangreicher geworden (an die 30 Seiten). In Frankreich, aber auch in Italien und sogar in Mexiko, gab es diverse Fotoromanheftserien, die zu speziellen Filmen die Geschichte des jeweiligen Films in hunderten Bildern nacherzählten. Die Reihe Star Cine Cosmos widmete sich seit 1961 fast ausschliesslich Genrefilmen wie Ein Toter hing im Netz, Tarantula, Rodan, The Monolith Monsters, Them!, Gorgo, The Thing From Another World oder Forbidden Planet. Nach 86 Ausgaben war 1965 leider Schluss. Im Februar 1964 in der Ausgabe 62 war auch ein Godzillafilm mit von der Partie. Das Cover ziert zwar Gorgo, aber innen gibt es auf 68 Seiten Godzilla pur. Und zwar wird hier der zweite Film von 1955 nacherzählt. Das Heft ist nicht leicht zu finden, aber auf jeden Fall empfehlenswert.
Das erste westliche Buch über Godzilla erschien bereits oder erst (je nachdem) 1977 bei dem Kinderbuchverlag Crestwood House. 1978 gab es bereits einen Reprint. Der Autor war Ian Thorne, der zwischen 1977 und 1981 noch folgende Themen bei Crestwood House publizierte: King Kong, The Wolf Man, Creature From The Black Lagoon, The Mummy, Dracula, Frankenstein und «Mad Scientists». Das Godzilla-Buch enttäuscht im ersten Moment... und auch im zweiten. Auf nur 48 Seiten wird mit wenig Text die Geschichte und die Hintergründe kindergerecht aufbereitet. Einzig das Titelfoto auf dem Hardcovereinband weiss zu gefallen. Es gibt zwar keine seltenen Aufnahmen, aber immerhin über 30 (zumeist Monster-Action-) Fotos. Einmal dürfen wir sogar Eiji Tsuburaya bei den Dreharbeiten sehen. Einige andere Monster wie Rodan, Varan und Mothra werden kurz abgehandelt. Mitte der 80er Jahre folgte bei einem US-Kleinverlag The Godzilla Book (1986) von Jim Harmon. Von Mitte 1974 bis Ende 1975 war Harmon der Herausgeber des Magazins Monsters of the Movies (acht Ausgaben und ein Annual). Besonders interessant für Godzilla-Fans ist die Nr. 5 mit Godzilla-Cover sowie einem elfseitigen Artikel vom Spezialisten Don Glut. Das unspektakuläre Buch hat 100 Seiten, etliche Fotos in durchschnittlicher Qualität, wie auch bei allen anderen Büchern dieses Verlages. Zwischen den Texten gibt es zuviel Leerraum, aber inhaltlich ist es natürlich schon ein enormer Fortschritt gegenüber dem Crestwood House-Buch.
Bleiben wir in den USA. Das inhaltlich vermutlich bestrecherchierte Buch stammt von keinem geringeren als Ed Godziszewski. Ed gibt seit 1974 in unregelmässigen Abständen das Fanzine Japanese Giants heraus. Mitte der 90er Jahre veröffentlichte er das ultimative Buch zum Thema Godzilla: The Illustrated Encyclopedia of Godzilla. Nach jahrelanger Arbeit erschien das 260seitige Mammutwerk im Eigenvertrieb. Es gibt Kapitel über die Schauspieler, Effekte, Unseen Godzilla, Unmade Projects, Unused Footage, die Unterschiede zwischen den US und japanischen Versionen, Merchandising, Godzilla in der Populär-Kultur und vieles mehr. Die Fotos gehören zum rarsten was man bisher sah. Jede Menge Plakate und Aushangbilder aus verschiedenen Ländern runden das ganze ab. Ich hatte das Vergnügen mit Ed zu tauschen. Das Buch ist lange vergriffen und vor einiger Zeit sah ich eines bei eBay um mehr als 100 US$ weggehen. An diesem Wälzer müssen sich alle nachfolgenden Bücher messen.

Godzilla - King of the Monsters (1996) von Robert Marrero kann da definitiv nicht mithalten. Marrero ist zwar ein Genrefan, aber auch ein Vielpublizist. Seit Anfang der 1980er Jahre bringt der in Key West, Florida beheimatete Schriftsteller im Eigenvertrieb Titel wie Vampires: Hammer Style (1982), Horrors of Hammer (1984), Nightmare Theater (1986), Dracula - The Vampire Legend on Film (1992), Vintage Monster Movies (1993) oder Giant Monster Movies (1994) unters Volk. Zunächst waren die Bücher noch liebevoll geschrieben. Seit der Gründung von Fantasma Books wurde das ganze oberflächlicher. So auch in seinem Godzilla-Buch. Knallbuntes Cover, riesige Fotos, wenig informativer Text, nur für Komplettisten. Der nächste Verlag in den Staaten, der sich Godzilla widmete, war McFarland. Der Kenner weiß, daß McFarland der vermutlich teuerste Filmbuchverlag ist. In den meisten Fällen sind es die überbezahlten Bücher aber durchaus wert. A Critical History and Filmography of Toho's Godzilla Series heißt deren 1997 erschienener Band. Der seriöse Autor ist David Kalat (1970 geboren). 268 Seiten, teilweise etwas trocken, aber sehr informativ geschrieben. Leider - wie oft bei McFarland - ohne Fotos.
Nachdem der Emmerich-Godzilla 1998 die Leinwände unsicher machte, folgte weltweit eine kleine, aber feine Invasion an Büchern über Gott-Zilla. Alle folgenden US-Bücher dieses Artikels sind von 1998. Godzilla: The Complete Guide to Moviedom's Mightiest Monster von Frank Lovece wurde sogar auf deutsch bei Econ & List als Taschenbuch mit etwa 440 Seiten veröffentlicht. Textlich tadellos. Die üblichen Infos halt. Wenige Bilder, aber immerhin eines aus der Zeichentrickserie. Man merkt, daß Frank ein Fan ist. Mit Japan's Favorite Mon-Star: The Unauthorized Biography of «The Big G» kann man wieder recht zufrieden sein. Autor Steve Ryfle versteht sein Handwerk. Das hat er als Artikelschreiber von renommierten Magazinen wie Cinefantastique, G-Fan, RetroVision oder Sci-Fi Universe gelernt. Dieser Wälzer ist fast 380 Seiten lang und bietet schriftstellerisch fast alles was der Godzi-Fan braucht. In den Danksagungen findet sich das Who is Who der Japan-Monster-Experten wie Stuart Galbraith (Japanese Science Fiction, Fantasy and Horror Films und Monsters are Attacking Tokyo), Ed Godziszewski, J.D.Lees (Herausgeber von G-Fan, der Bibel aller Godzilla-Freaks), Sean Linkenback (siehe nächste Besprechung) und viele andere. Nur die Fotos enttäuschen. Vermutlich hat Toho zuviel Geld für die Rechte verlangt. Toho neigt leider zu einer strengen Politik bezüglich Godzilla-Vermarktung im Ausland. Das mußte auch der Herausgeber des englischen Fanzines Church of Godzilla feststellen. Gregg Lamb erzählte mir in London, nachdem Toho in dem Debütheft in einer Kritik lesen mußte, daß eine Szene eines Filmes wirkte als ob Godzilla auf Drogen wäre, daß sie ihn sofort verklagen wollten: Godzilla auf Drogen durfte nicht sein. Church of Godzilla musste nach nur einer Ausgabe eingestellt werden.

Ein beachtliches Werk trägt den folgenden vielversprechenden Titel An Unauthorized Guide to Godzilla Collectibles. Das Buch hält was der Titel verspricht. Godzilla-Fan und Sammler Sean Linkenback präsentiert uns 178 Seiten lang die schönsten und seltensten Godzilla-Fundstücke. Durchgehend Farbfotos. Die Preisangaben sind mittlerweile überholt. Hier sehen wir unter anderem Original-Artwork, Badges, Bücher, Magazine, Plakate, Aushangfotos, Videos, Model Kits, Trading Cards und vieles mehr. Dieses Buch war längst überfällig. The Official Godzilla Compendium (Verlag Random House) stammt aus der Feder von J.D. Lees und Marc Cerasini. Wo J.D. Lees draufsteht, kann nichts schlechtes drinnen stehen. Wie bereits erwähnt, gibt er seit 1993 G-Fan (vormals G-Force) heraus. Weltweit das beste Fanzine und Magazin zum Thema. Das Buch ist fein zu lesen und anzusehen, kann aber dem Magazin von J.D. nicht das Wasser reichen. Das Cover mit einem Relief-Godzilla fetzt ganz schön rein. Der Text ist o.k. Halt nicht viel neues. Die Fotos sind sehr konventionell. Keine seltenen Motive. Der Farbteil bietet nur die üblichen Plakate, Comics und einige neuere Monsterfotos.
Damit genug zum Thema Godzilla, denn es gibt schließlich noch andere Ungeheuer im Land der aufgehenden Sonne. Hier möchte ich noch einige weitere Bücher vorstellen, die sich mit Gamera und seinen Monsterkollegen, aber auch etwas allgemeiner mit dem Phantastischen Film Japans auseinandersetzen. Gamera: The Guardian of the Universe ist ein 1995 erschienenes japanisches Buch, das auf 60 Seiten fast ausschließlich hunderte farbige Fotos aus dem Film und von den Dreharbeiten zeigt. Die Gamera-Vorgänger finden keine Erwähnung.
Mein Mad Mags
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