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Metropolis

Schluchten aus kühlem Beton, von flackerndem Neonlicht erhellte Strassenzüge und Gebäude, die den Himmel zu berühren scheinen. Diese Bilder mögen den Regisseur Fritz Lang fasziniert haben, als er anlässlich der Premiere seines Heldenepos Die Nibelungen New York besuchte und vom Schiff aus erstmals die gewaltige Skyline der Stadt erblickte. Drei Jahre später, am 10. Januar 1927, feierte man in Berlin die Premiere von Metropolis, in dem Lang seine Eindrücke auf spektakuläre Weise mit dem Drehbuch seiner Ehefrau Thea von Harbou in Einklang bringen konnte. Doch zunächst zur Story:

Metropolis ist die Stadt einer nicht allzu fernen Zukunft. Architekten haben ihre kühnsten Träume verwirklicht und ihren Bauwerken schwindelerregende Dimensionen verliehen. Der atemberaubende Anblick der Stadt ist jedoch trügerisch, denn die soziale Struktur von Metropolis ist eine strikte Zweiklassengesellschaft: während die mittellosen Einwohner wie Sklaven in einer unterirdischen und kargen Arbeiterstadt ihr Dasein fristen, leben die Reichen und Prominenten in den höchsten Wolkenkratzern in Saus und Braus. Im Zentrum der Stadt, alles weithin überragend, steht der monumentale Turm des Industriemagnaten Joh. Fredersen (Alfred Abel), der von hier aus die Fäden zieht. Seine Gegenspielerin ist das Mädchen Maria (Brigitte Helm), welche wie eine Prophetin in den Katakomben der Arbeiterstadt von Liebe und Frieden predigt und die Ankunft eines «Mittlers zwischen Hirn und Händen» voraussagt -" einem Unbekannten, der eines Tages die Einigung zwischen den Herrschenden (dem «Hirn») und den Arbeitern (den «Händen») erzielen wird. Ihre Worte vermögen den Hass und die aufgestaute Wut des «Fussvolkes» zu zügeln, was Fredersen ein Dorn im Auge ist. Als fast allmächtiges Oberhaupt über Metropolis will er einen Aufstand provozieren, den er mit brutaler Gewalt zurückschlagen würde, um seine Position weiter zu festigen. Er beauftragt Rotwang, einen ebenso wahnsinnigen wie auch begabten Erfinder, mit der Fertigstellung eines Roboters mit der Gestalt seiner Gegenspielerin, um so die Arbeiter nach seinem Willen zu manipulieren. Tatsächlich gelingt es der «neuen» Maria, das Fass zum Überlaufen zu bringen: der Aufstand des Volkes beginnt, lebenswichtige Maschinen werden zerstört, eindringendes Wasser droht die Unterstadt zu überschwemmen. Doch Fredersen rechnet nicht damit, dass sich ausgerechnet sein Sohn Freder in Maria verliebt und sich auf die Seite der Arbeiter stellt, um als «Mittler zwischen Hirn und Händen» hervorzutreten.

An Fritz Langs finsterer Zukunftsvision schieden sich zur damaligen Zeit die Geister. Der Film bildete eine wüste Mischung aus Science Fiction- und Horrorelementen, gewürzt mit einer heftigen Prise Sozialkritik und erzählte im Prinzip doch nur eine simple Liebesgeschichte. Während die wohlwollenden Kritiker Metropolis als Meisterwerk der Kinogeschichte feierten, zerrissen andere das Werk als «den dümmsten aller Filme» (H.G. Wells) in der Luft. Lang wurde zum späteren Zeitpunkt sogar der Vorwurf gemacht, er habe mit seiner detaillierten Beschreibung von Führungs- und Arbeiterklasse das Gesellschaftsbild der Nationalsozialisten vorweggenommen. Jedoch kann ihm gewiss nicht zur Last gelegt werden, dass die Nazis den Gedanken von der Harmonie zwischen Arbeit und Kapital für ihre Zwecke missbrauchten und Hitler sich als ein grosser Bewunderer von Metropolis und ganz besonders von Lang´s Adaption der deutschen Heldensage Die Nibelungen erwies.

Die Entstehung von Metropolis bedeutete für die UFA, die Universum Film Aktiengesellschaft, ein risikoreiches Unterfangen. Statt der veranschlagten eine Million Mark verschlang der Film im Laufe der zweijährigen Dreharbeiten das Fünffache, mehr als eine Million Filmmeter wurden belichtet und für die Massenszenen bis zu 36.000 Statisten benötigt. Erstmals nutzte man ein von dem Kameramann Eugen Schüffttan erfundenes Verfahren, mittels lichtdurchlässiger Spiegel und Modellbauten die Illusion einer hektischen Grossstadt zu erzeugen. Trotz allem Grössenwahn vor und hinter den Kameras wurde Metropolis ein finanzielles Desaster. Der erhoffte Erfolg blieb sowohl in Deutschland als auch in Amerika aus, das von der wirtschaftlichen Depression ohnehin schon stark geschwächte Unternehmen befand sich nach dieser Pleite kurz vor dem Bankrott.

Heute, knapp achtzig Jahre später, hat man Metropolis endlich seinen wichtigen, filmhistorischen Status anerkannt. Der Klassiker stellt auch in seiner heutzutage nur noch verstümmelten Form (zwanzig Prozent des Filmmaterials gelten als verschollen) nicht nur den grössten Effektfilm seiner Zeit dar, sondern sein Design gilt auch als Vorbild für monumentale Stadtlandschaften «moderner» amerikanischer Produktionen wie Blade Runner (1982) oder Das Fünfte Element (1997). Im Jahre 2001 wurde Metropolis in das von der UNESCO ins Leben gerufene Memory of the World aufgenommen - einem Programm zum erhalt des dokumentarischen Erbes der Menschheit, in dem sich neben Ludwig van Beethovens berühmter Neunten Sinfonie auch die frühen Kurzfilme der Gebrüder Lumiere befinden.

MadMags Layout

Wie unschwer zu erkennen ist, basiert das Layout von «MadMags» auf Motiven aus dem Film Metropolis und soll ganz besonders eine Verehrung vor dem deutschen Schauspieler Rudolf Klein-Rogge darstellen, der im Film den undurchschaubaren Erfinder Rotwang verkörpert.

Klein-Rogge wurde wurde am 24. November 1885 in Köln geboren und startete nach dem Studium der Kunstgeschichte eine Karriere am Theater, welche ihn bis nach Berlin führte. Hier lernte er durch seine Ehefrau Thea von Harbou den Filmemacher Fritz Lang (den sie später heiratete) kennen, was ihm die Möglichkeit offenbarte, fortan in zehn Filmen des bis dahin noch recht unbekannten Lang mitzuwirken. Während Klein-Rogge in Langs erstem Erfolg Der müde Tod (1921) noch in einer Nebenrolle zu sehen war, vertraute ihm Lang ein Jahr darauf in Dr. Mabuse, der Spieler die Hauptrolle an. Eine perfekte Wahl, denn Klein-Rogge verkörperte die Rolle des Superschurken, der mittels hypnotischer Fähigkeiten die Weltherrschaft an sich reissen will, einfach grandios. Auch im zwölf Jahre später erschienenen Sequel Das Testament des Dr. Mabuse (1933), ebenfalls unter der Regie von Fritz Lang entstanden, wirkte er in seiner Lebensrolle mit.

In Langs Die Nibelungen, einer zweiteiligen Filmadaption der deutschen Heldensage, war Klein-Rogge als König Etzel zu sehen, bevor er dann in Metropolis mal wieder den Wahnsinn in menschlicher Gestalt verkörpern konnte. Wie einst Doktor Frankenstein arbeitet er in seinem finsteren Labor an der Konstruktion eines künstlichen Menschen, doch wo der Baron noch menschliche Leichenteile zusammenflickte, konstruiert Klein-Rogges Rotwang den wohl ersten Cyborg der Filmgeschichte: einen Roboter mit menschlichem Aussehen! Dass Genie und Wahnsinn nicht weit auseinanderliegen, beweist Rotwang eindrucksvoll in den unterirdischen, stockfinsteren Katakomben und Höhlensystemen von Metropolis, als er Maria, die lebendige «Vorlage» seines Maschinenwesens, zunächst jagt und schliesslich in sein Labor verschleppt. Zweifellos ist Rotwang einer der herauragendsten «Mad Scientists» der Stummfilm-Ära. Klein-Rogge verstarb am 29. Mai 1955 im österreichischen Wetzelsdorf.

© Christian Lorenz

Mein Mad Mags