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Torsten Dewi über die Entstehung des «Dark Palace»

Die ersten sechs Jahre meines Lebens waren die schlimmsten: Ich konnte nämlich noch nicht schreiben. Ich döste so vor mich hin, immer mit dem unbestimmten Gefühl, dass mir etwas vorenthalten wird. Als ich in die Schule kam, war das für mich wie die Aufnahme in Hogwarts: man gab mir den Schlüssel zum Königreich des Wissens, die Fähigkeit, Herr über die Sprache zu werden. Und Sprache ist Magie.

Als ich das erste Mal begriff, wirklich begriff, wie das Alphabet funktioniert, war das eine Initialzündung. Es ist natürlich nicht so gewesen, aber in meiner romantisierten Erinnerung starrte ich auf das Blatt mit den 26 Buchstaben (plus Umlaute), und dachte: «Scheiße, damit kann ich alle Wörter zusammensetzen? Mit den 26 Dingern? Aber dann kann ich ja schreiben, was immer ich will!!!». Und das habe ich seither auch getan. Mit 7 schrieb ich meinen ersten Roman in ein Schulheft: «Spuk auf Schloss Schreckenstein» (hey, ich bin nicht Mozart, get off my back!). Dazu malte ich mit Buntstiften auch die Illustrationen (Inspiration für Backstein-Mauern holte ich vom ersten «Hui Buh»-Plattencover), und entschied mich spontan, die grafische Arbeit den Rest meines Lebens solcherart Berufenen zu überlassen. In der Schule war ich vergleichsweise unschlagbar, wann immer es um Texte ging. Ich habe Klausuren über «Romeo und Julia auf dem Dorfe» mit einer 3+ geschrieben, obwohl ich das Buch nicht gelesen hatte. Drumherumschwafeln wurde mein Spezialtalent. Als es darum ging, für den Deutschunterricht eine SF-Geschichte mit dem Aufhänger «Delfine mit Armen» zu schreiben (das kommt davon, wenn man in einer pädagogisch progressiven Bildungseinrichtung landet), verfasste ich nicht nur meinen eigenen Text, sondern auch die von acht Klassenkameraden.

Pilot Team News

Mit 16 war ich in einer Video-AG, in der wir es in drei Monaten immerhin schafften, exakt eine Szene für den Agentenfilm «Mission Aszera» zu drehen, den ich geschrieben hatte. Dabei lernte ich viel über Teamwork, und die große Wahrheit, die in dem Satz steckt «Willst du, dass etwas richtig gemacht wird, dann mach es selbst». Kurz darauf bekam ich «Newsroom», ein extrem krudes, aber einfach zu bedienendes «Zeitungs-Programm» für meinen C64. Zusammen mit meinem Kumpel Stefan stoppelte ich ein paar Ausgaben der C64-Fan-Zeitschrift «Pilot Team News» zusammen, was eine absolute Quälerei war, denn «Newsroom» war nicht nur brutal langsam, sondern auch sehr eingeschränkt, was die kreativen Möglichkeiten des Benutzers anging. Aber ich lernte dadurch zumindest gewissen Grundlagen, was die Blattmacherei angeht. Die ausgedruckten Seiten musste mein Vater dann bei Mannesmann fotokopieren, und oben tackern (wir hielten das für erheblich cooler als die klassische Seitenbindung - Revolution!). Die Hefte verteilten wir unter Freunden. Mein erlahmendes Interesse an Computerspielen und meine mangelnden Fähigkeiten als «Hacker» führten zu einem baldigen Ende der «Pilot Team News». Mir war das egal, denn ich hatte einen neuen Spielplatz entdeckt: Horrorfilme! Mittlerweile war nämlich nicht mehr Stefan, sondern Markus mein bester Freund, und der war ein echter Fan. Er wollte sogar selber Maskenbildner werden, und hatte jede Menge alter Cinefantastique- und Fangoria-Ausgaben bei sich rumliegen.

Es gab in den späten 80ern eine durchaus aktive Horror-Fanszene, lange vor Internet und Splatting Image. Man traf sich in verrauchten Buden zu Video-Abenden mit Dosenbier und komplett verrauschten Kopien von «Evil Dead 2» und «Friday 13th Part VI». Man fuhr nach Amsterdam, um im Hotelzimmer mit zwei Videorekordern die ungeschnittenen Filme aus der holländischen Videothek zu kopieren, und bewunderte Pedda aus Nürnberg, dessen VCR tatsächlich die seltenen NTSC-Bänder abspielen konnte. Neue Horrormagazine kauften wir nur, wenn das Taschengeld reichte (besonders die CFQ war als Doppelausgabe fast unerschwinglich).

Wir freundeten uns mit den Jungs an, die damals das «Evil Ed»-Magazine herausgaben, ein sehr launiges Fanblatt (später auch als «Evil Ed on Video» - take that, YouTube!). Die waren für unsere Verhältnisse megacool drauf. Als Dennis Hopper nach Düsseldorf kam, um in einer feinen Galerie seine Bilder auszustellen, rannten sie mit einer Videokamera in die Vernissage, klopften dem Hollywood-Star auf die Schulter, und sagten: «Mr. Hopper, sagen Sie doch mal ′Welcome to Evil Ed on Video, part 2′!». Der überrumpelte Dennis gab zurück: «Welcome to Evil Ed on Video, part 2?». Zack - schon hatten die Jungs eine «Einleitung von Dennis Hopper» für ihre nächste Videoproduktion... Mit ein paar Jungs aus Norddeutschland wollten wir dann an einem neuen Magazin arbeiten, «Doc Cyclops». Das ging allerdings komplett in die Hose, denn es stellte sich schnell heraus, dass die Schreiber aus dem Dunstkreis von Andreas Schnaas («Violent Shit») hier den Ton angaben. Während ich mit Blüten wie «weil der Film kein Splatter enthält, kann ich ihn leider nicht empfehlen» leben konnte, war die völlige Ahnungslosigkeit der Spläddaprolls für mich unerträglich. Die interessierten sich weder für die Geschichte des Horrorfilms, noch dafür, wie man ein gefälliges Heft produziert. Die wollten nur ihren Hardcore-Rotz aufs Papier hauen. Also stand für mich und Markus schnell fest: Auf zu neuen Ufern!

Evil Ed

Und so entstand «Dark Palace», meine erste «echte» Zeitschrift. Mit einer Startauflage von 100 Exemplaren (kostenlos gedruckt vom Schul-Drucker unserer Gesamtschule, der nie mitbekommen hatte, dass wir dort längst nicht mehr zur Schule gingen), und echtem Anspruch: Wir wollten nämlich einer möglichst breiten Zielgruppe bunte Unterhaltung bieten. Bei uns gab es deshalb nicht nur Reviews und News, sondern auch Interviews (z.B. mit Rainer Erler), Makeup-Kurse, Essays, Kurzgeschichten, Comics, und «Raum für eigene Notizen». Letzterer entstand, als wir uns bei der Seitenzahl mal vertan hatten, und das Heft hinten eine leere Seite aufwies. Die Arbeit an «Dark Palace» war schon erheblich professioneller als bei den «Pilot Team News». Die Texte wurden auf einem Schönschreib-Drucker Star LC10 ausgedruckt, und zweispaltig auf A3-Bögen geklebt. Grafiken, Fotos und Layout-Elemente wurden ebenfalls händisch eingefügt. Ein mit uns befreundeter Regisseur erklärte uns Layout-Grundlagen (Spaltensatz, Raster-Folien, Serifenschriften), die wir nach Möglichkeit auch umsetzten. Dem Palace war es auch zu verdanken, dass ich erstmals als «Journalist» an einem Festival teilnehmen konnte (das «Festival des phantastischen Films», in vielen Beziehungen der Vorläufer des Fantasy Filmfest), und dass wir tatsächlich Pressekassetten von Verleihern zugeschickt bekamen (allerdings nur von Cannon Deutschland).

Natürlich ist «Dark Palace» nach heutigem Maßstab Kinderkram. Man hatte damals auch noch kein Internet, in dem man jedes Detail recherchieren konnte, weshalb wir mitunter auch mal kräftig Quatsch schrieben (besonders was die Vorgehensweise der BPjS anging, waren wir blutige Laien). Ein Kisch-Preis war mit unserer oft holperigen Schreibe auch nicht zu gewinnen. Aber es war ein «labor of love», und wir bekamen viele begeisterte Leserbriefe von Fans, die dann teilweise selber am Heft mitarbeiteten. Durch Mundpropaganda und Anzeigen in anderen Fan-Blättern verkaufte sich der Palace ganz gut, aber mit meinem Umzug nach München im Sommer 1990 wurde es praktisch unmöglich, die weitere Zusammenarbeit zu koordinieren, zumal Markus tatsächlich hart an seiner Karriere als Maskenbildner arbeitete. Hinzu kam, dass es mit «Splatting Image» ja nun endlich ein kompetentes deutsches Magazin für Außenseiter-Filme gab. Es fehlte auch der Glaube, mit unseren beschränkten Möglichkeiten noch weiter wachsen zu können, besser zu werden. Wir beschlossen, die Sache nicht unnötig hinauszuziehen, und stellten den «Dark Palace» mit Ausgabe 5 friedlich ein.

Man sieht: Vor der Erfindung von Internet und Blogsoftware war es ungleich schwerer und teurer, seine Meinung in die Welt zu posaunen - von der reduzierten Zielgruppe mal ganz abgesehen. Aber ich möchte die Zeit nicht missen...

Dark Palace #1

Dark Palace #1 (02/1989)
The Midnight Magazine

29 Seiten, Download 8.0 MB
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Hinweis: Seiten 15-18 aus urheberrechtlichen Gründen entfernt!

 
Dark Palace #2

Dark Palace #2 (07/1989)
The Midnight Magazine

49 Seiten, Download 19.3 MB
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Dark Palace #3

Dark Palace #3 (12/1989)
The Midnight Magazine

48 Seiten, Download 21.3 MB
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Dark Palace #4

Dark Palace #4 (04/1990)
The Midnight Magazine

46 Seiten, Download 20.2 MB
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Dark Palace #5

Dark Palace #5 (09/1990)
The Midnight Magazine

42 Seiten, Download 17.8 MB
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Mein Mad Mags

Pranke #35

Pranke #35